Davis Cup : Jan-Lennard Struff: Der Triumph des Ersatzmannes

Das deutsche Davis-Cup-Team machte es spannend: Jan-Lennard Struff bescherte Deutschland schließlich den entscheidenden Punkt zum 3:2-Sieg über Polen.

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Zweimal gespielt, zweimal gewonnen. Dank Jan-Lennard Struff spielt das deutsche Davis-Cup-Team auch im kommenden Jahr in der Weltgruppe.
Zweimal gespielt, zweimal gewonnen. Dank Jan-Lennard Struff spielt das deutsche Davis-Cup-Team auch im kommenden Jahr in der...Foto: imago/Bernd König

Am Ende gab es ihn dann doch noch, diesen einen klaren deutschen Sieg im Einzel. Jan-Lennard Struff sicherte seinem Team mit einem 7:6 (7:4), 6:4 und 6:1 gegen seinen polnischen Widersacher Hubert Jurkacz den Klassenerhalt im Davis Cup. Damit spielt Deutschland auch im nächsten Jahr in der Weltgruppe. Auf dem Sandplatz im Steffi-Graf-Stadion entwickelte sich gegen den krassen Außenseiter Polen allerdings eine unerwartet dramatische Auseinandersetzung, erst das finale Match auf der Tennisanlage des LTTC Rot-Weiß brachte den entscheidenden dritten Punkt für die deutsche Mannschaft.

„Ich muss zugeben, dass ich nicht mit so einem engen Match gerechnet habe, aber letztlich hat uns auch der 2:2-Zwischenstand nicht aus der Bahn geworfen“, sagte Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann. Dass es derart spannend wurde, lag zunächst einmal an Florian Mayer. Die deutsche Nummer eins verlor vor 2700 Zuschauern völlig überraschend 2:6, 6:4, 2:6 und 3:6 gegen Kamil Majchrzak. Der Pole wird in der Weltrangliste gerade einmal auf Position 277 geführt und hat noch nie ein Match bei einem ATP-Turnier bestritten. Da hätte normalerweise eigentlich nichts schiefgehen dürfen. Tatsächlich ging dann aus Sicht von Mayer so ziemlich alles schief.

„Das soll keine Ausrede sein, aber ich war heute nicht im Vollbesitz meiner Kräfte“, sagte er nach seiner Niederlage. Mayer war schon mit einer Bandage am linken Oberschenkel ins Spiel gegangen, ihm fehlten die Spritzigkeit und auch die mentale Frische. Im Verlauf des Matches wurde ihm dann auch noch eine Bandage für den rechten Oberschenkel verpasst. Die Wunderheilung aber blieb aus, dabei war es Majchrzak gewesen, der am Freitag den Platz nach seinem in fünf Sätzen verlorenen Einzel gegen Struff praktisch auf dem Zahnfleisch kriechend verlassen hatte. Doch zwei Tage später war es sein zwölf Jahre älterer Kontrahent, der am Ende nichts mehr zuzusetzen hatte.

Bevor Mayer anschließend den Sieg von Jan-Lennard Struff im Stadion verfolgte, hatte er allerdings noch etwas mitzuteilen. „Das war definitiv meine letzte Partie im Davis-Cup. Ich muss körperlich die richtigen Schlüsse aus dieser Woche ziehen und den Platz frei machen für die Jüngeren.“ Nach der ersten Niederlage in einem Abstiegsmatch sei für ihn die Zeit gekommen, weil die Belastung im Davis-Cup einfach zu hoch für einen bald 33-Jährigen wie ihn ist.

In die Kategorie der Jüngeren fällt Struff mit seinen 27 Jahren nicht mehr unbedingt. Gespielt hat er auch nur, weil Alexander Zverev für den Davis-Cup abgesagt hatte und Philipp Kohlschreiber verletzt passen musste. Struff erledigte seinen Job gegen Hubert Hurkacz letztlich souverän und war mit seinen zwei gewonnenen Einzeln der entscheidende Mann. „Natürlich träumt man als kleiner Junge davon, so ein Match zu spielen und dann auch zu gewinnen“, sagte Struff noch auf dem Platz. Teamchef Kohlmann lobte: „Er war aktiver als sein Gegner und wollte das Spiel in die Hand nehmen. Er hat dieses Vollgas in sich selbst.“

Die große Frage ist nun, wie es mit dem deutschen Männertennis weitergeht. Im Vergleich zu den Frauen klafft eine gewaltige Lücke – von Vollgastennis keine Spur. Und so wäre der Kontrast dann auch gewaltig gewesen, wenn die Nationalmannschaft tatsächlich aus der Weltgruppe abgestiegen wäre. Auf der einen Seite mit Angelique Kerber die strahlende Nummer eins im Frauentennis, auf der anderen ein nur noch zweitklassiges Männerteam. Dazu ist es mit Ach und Krach nicht gekommen, trotzdem wartet viel Arbeit auf Michael Kohlmann, der auch 2017 Teamchef bleiben wird. Um überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben, muss er Frieden schließen mit Alexander Zverev, der 19-Jährige verheißt zumindest mittelfristig bessere Zeiten. Am Sonntag wollte Kohlmann aber nicht über das nächste Jahr und ein mögliches Comeback von Zverev reden. „Das Team, das hier ist, hat es sich verdient, den Sieg gebührend zu feiern.“

Bleibt noch der LTTC Rot-Weiß Berlin. Die Zuschauerresonanz am Wochenende war trotz bester äußerer Bedingungen zumindest am Freitag und Sonntag und einem spannenden Verlauf des Duells mit Polen mit insgesamt 8300 Besuchern nicht wirklich überragend. Trotzdem zog Sportdirektor Markus Zoecke ein positives Fazit: „Ich bin sehr zufrieden mit der Woche. Wir haben gezeigt, dass wir so eine Veranstaltung ausrichten können.“

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