Davis-Cup : Kohlschreiber aussortiert

Zehn Tage vor dem Abstiegskrimi gegen Australien kam es im deutschen Davis-Cup-Team zum großen Knall: Teamchef Patrik Kühnen verzichtet auf Philipp Kohlschreiber.

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Philipp Kohlschreiber
Philipp KohlschreiberFoto: AFP

New York - Als Philipp Kohlschreiber am Montagmorgen gegen 3 Uhr in den Katakomben des Arthur-Ashe-Stadiums zum Mediengespräch erschien, da wollte er eigentlich nur vom Fünfsatzsieg über John Isner und seinem bisher größten Erfolg bei den US Open reden. Fragen über seinen möglichen Einsatz in der Davis-Cup-Relegation gegen Australien vom 14. bis 16. September in Hamburg lehnte er ab: „Ich bin bereit, für Deutschland zu spielen. Mehr sage ich dazu nicht“, meinte der Weltranglisten-20. Dass Kohlschreiber zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, was Teamchef Patrik Kühnen am Dienstag in der Hansestadt offiziell verkündete, schien offensichtlich: Kohlschreiber war rausgeflogen.

„Ich hatte bei den US Open ein gutes Gespräch und gedacht, dass die Querelen ausgeräumt sind“, erklärte Kühnen, doch dann habe sich Kohlschreiber den Medien gegenüber wieder anders geäußert und damit sei für ihn „eine Grenze erreicht“ gewesen. In seiner zehnjährigen Amtszeit hatte der Teamchef nie derart konsequent durchgegriffen und vielleicht überschätzte Kohlschreiber auch deshalb seine Situation. Geradezu stolz hatte er in New York vor einer Woche verkündet, dass er Kühnen ordentlich die Meinung gesagt, nein, gegeigt hatte, und das ziemlich laut. Schließlich sei ihm der Kapitän ja sowohl beim Davis Cup in Bamberg, als auch nach seiner Olympia-Absage in den Rücken gefallen. Kohlschreiber glaubte, er habe mit diesem verbalen Vorstoß seine Position gestärkt, doch dieses Mal wollte sich Kühnen die öffentliche Bloßstellung nicht gefallen lassen.

Da Kohlschreiber im deutschen Team ohnehin als Außenseiter gilt, fiel es Florian Mayer und Philipp Petzschner nicht schwer, die Entscheidung mitzutragen. Komplettieren werden Cedrik-Marcel Stebe und Benjamin Becker das Aufgebot, überraschend hatte Kühnen auch auf Doppelspezialist Christopher Kas verzichtet. Da sich Thomas Haas nach den anstrengenden letzten Monaten nicht fit genug fühlt, tritt das deutsche Quartett ohne seine beiden bestplatzierten Akteure im Abstiegsduell an. Petra Philippsen

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