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Davis-Cup-Teamchef : Patrik Kühnen tritt zurück

Die Kritik wurde immer lauter, jetzt hat Patrik Kühnen selbst gehandelt. Er werde seinen Tätigkeit als Davis-Cup-Teamchef der deutschen Tennismänner nicht fortsetzen, erklärte er am Mittwoch.

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Schön war die Zeit, aber nun ist sie abgelaufen. Patrik Kühnen wird das deutsche Davis-Cup-Team künftig nicht mehr betreuen.
Schön war die Zeit, aber nun ist sie abgelaufen. Patrik Kühnen wird das deutsche Davis-Cup-Team künftig nicht mehr betreuen.Foto: dpa

In den letzten Jahren hatte es immer wieder Situationen gegeben, in denen es so schien, als fehle Patrik Kühnen das rechte Gespür für die Stimmungslage in seiner Mannschaft. Was seine Spieler tatsächlich von ihm hielten, und womit er sie vielleicht gerade verärgert oder irritiert hatte, bekam Kühnen nur selten mit. Oder er schien es schlicht zu ignorieren. Wichtig war ihm stets nur, dass er den besten Spieler seines Teams auf seiner Seite hatte, das genügte. Für alle anderen mimte er den Gute-Laune-Onkel, und in der Rolle gefiel sich Kühnen auch. Probleme lächelte er einfach weg. Vielleicht kam seine Erklärung am Mittwoch gerade deshalb auch so überraschend, denn dieses Mal war ihm nicht entgangen, dass die Stimmung innerhalb des Deutschen Tennis-Bund (DTB) und unter den Spielern gegen ihn als Teamchef gekippt war.

„In den vergangenen Wochen habe ich den Eindruck gewonnen, dass mir die nötige Unterstützung und Rückendeckung des Deutschen Tennis-Bundes fehlt“, teilte Kühnen schriftlich mit, „ich sehe deshalb keine Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit.“ Daher werde er die Gespräche über die Vertragsverlängerung mit dem DTB beenden, fügte er hinzu. Nach zehnjähriger Amtszeit Kühnens ist damit der Weg frei für den nötigen Neuanfang im deutschen Männertennis, doch auf den ist der DTB ad hoc gar nicht vorbereitet. Vizepräsident Carl-Uwe Steeb, der seit den gemeinsamen Spielerzeiten mit Kühnen befreundet ist und sich für ihn stark gemacht hatte, wurde von dessen Ankündigung überrumpelt. Ein „Plan B“ existiere nicht, hieß es von Seiten des DTB noch Anfang der Woche.

Nur Präsident Karl-Georg Altenburg, der noch vor einem Monat die Vertragsverlängerung mit Kühnen als reine Formsache bezeichnet hatte, sagte, „sein Schritt kommt nicht überraschend“. In den letzten Gesprächen habe sich das angedeutet, erklärte Altenburg. Die kürzliche Kündigung des Teamhauptsponsors, der ebenso privater Werbepartner Kühnens ist, spielte dabei wohl auch eine Rolle. Zumal der Firmenchef dem DTB unterstellt, Kühnen zum Vertragsbruch aufgefordert zu haben. Es waren unruhige Wochen, seit das Davis-Cup-Team Mitte September den Abstieg aus der Weltgruppe verhindert hatte. Damals wirkte Kühnen noch wie der Sieger im internen Machtgerangel, doch die Vorbehalte gegen ihn waren nicht nur durch den Streit mit Philipp Kohlschreiber angewachsen. Kühnen hatte sich im Laufe seiner Amtszeit einige taktische Fehler geleistet, so dass der jüngste Rauswurf Kohlschreibers wie ein verzweifelter Versuch wirkte, Führungsstärke zu demonstrieren.

Zumal sich auch von Seiten der deutschen Spieler niemand mehr für Kühnen aussprechen wollte. Florian Mayer hatte seinen Verbleib im Team daran geknüpft, dass Anfang Februar in der ersten Runde in Argentinien die Besten dabei sind – inklusive Kohlschreiber. Und dem Verstoßenen wäre es schwer gefallen, weiter unter Kühnen zu spielen. Zumal in der letzten Woche eine Aussprache zwischen beiden, bei der Steeb vermitteln wollte, wohl am Teamchef gescheitert war. Kühnen wollte erst mit Kohlschreiber sprechen, wenn seine vertragliche Situation geregelt sei. Nachtreten will Kohlschreiber jetzt dennoch nicht: „Ich akzeptiere das so und wünsche Patrik für die Zukunft alles Gute. Ich hoffe, dass jetzt einer kommt, der das Team für Argentinien einen kann.“ Auch Thomas Haas sei weiterhin willkommen, hieß es. Der Routinier hatte sich oft auf Kühnens Seite geschlagen, ihn aber zuletzt in der Relegation versetzt.

Was wie ein Punktsieg für die deutschen Spieler wirkt, nimmt diese nach den dürftigen sportlichen Ergebnissen der Vergangenheit aber auch umso mehr in die Pflicht. Der Personalwechsel ist auch für sie die Chance, ihr ramponiertes Image aufzupolieren. Und während über die ehemaligen Profis Rainer Schüttler oder Alexander Waske als Nachfolger spekuliert wird, die jedoch beide mit anderen Aufgaben gebunden sind, gibt es mit Carsten Arriens bereits einen teaminternen Wunschkandidaten. Der 43-jährige Hesse war früher selbst Spieler und betreut derzeit erfolgreich das Aachener Bundesligateam. Er gilt als kompetent und sehr beliebt und hat mit einigen Davis-Cup-Spielern schon als Privatcoach gearbeitet. Arriens wäre als Option auch für die Nachwuchsarbeit sinnvoll, in die der neue Davis-Cup-Kapitän stärker eingebunden werden soll. „Wir werden jetzt schnellstmöglich die Gespräche aufnehmen und rechnen mit einer Entscheidung noch vor Weihnachten“, erklärte Altenburg. Die Zeit drängt, der Neubeginn ist längst überfällig.

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