Daviscup : Deutsches Team nach Haas-Sieg im Viertelfinale

Die Sensation ist perfekt: Angeführt vom überragenden Thomas Haas hat sich die deutsche Tennis-Nationalmannschaft erstmals seit sechs Jahren für das Daviscup-Viertelfinale qualifiziert und tritt dort gegen Belgien an.

Krefeld - Mit der lautstarken Unterstützung des zweimaligen Champions Boris Becker holte Thomas Haas in Krefeld durch ein 6:2, 7:6 (9:7), 6:4 gegen Ivan Ljubicic den entscheidenden dritten Punkt zum Erstrunden-Sieg gegen Kroatien. Auch die Tennis-Profis aus Belgien schafften eine Überraschung und schalteten die favorisierten Australier mit 3:2 aus. Im entscheidenden fünften Spiel setzte sich Kristof Vliegen gegen Chris Guccione mit 6:4, 6:4, 6:4 durch.

Damit stehen sich im Viertelfinale erstmals seit 15 Jahren wieder Belgien und Deutschland gegenüber. 1992 in Essen war dem deutschen Team ein 5:0-Erfolg gelungen. Vom 6. bis 8. April dieses Jahres stehen nun neben Deutschland und Belgien auch die USA, Spanien, Argentinien, Schweden, Frankreich und Russland im Viertelfinale.

Australian-Open-Halbfinalist Haas spielte in bestechender Form und feierte im fünften Vergleich mit dem besten Kroaten seinen dritten Sieg. Wie schon am Eröffnungstag der kränkelnde Mario Ancic wurde auch der Weltranglisten-Achte Ljubicic gnadenlos über den Hartplatz getrieben. "Das war mein bestes Spiel im Daviscup", hatte der ungewohnt locker und gelöst auftretende Wahl-Amerikaner schon nach seinem ersten Einzel gesagt. Auch gegen den in der Weltrangliste zwei Plätze besser notierten Ljubicic knüpfte er an seine großartigen Vorstellungen in Melbourne an und schaffte im 24. Daviscup-Einzel seinen 18. Sieg.

Kiefer plant Comeback im März

Körperlich und geistig so fit wie nie nahm der gebürtige Hamburger das Heft sofort in die Hand und kam auch im Tiebreak des zweiten Satzes nicht von seinem Weg ab. Die 4600 Zuschauer in der ausverkauften Halle ließ der 28-Jährige nie am Überstehen der ersten Runde zweifeln, was der deutschen Mannschaft mit Haas und Nicolas Kiefer letztmals im Februar 2001 in Braunschweig gelungen war.

Der verletzt zuschauende Kiefer will in vier Wochen die Rückkehr auf die Tennis-Tour wagen. Für Indian Wells (9. bis 18. März) plant der seit einem Dreivierteljahr pausierende 29-Jährige sein Comeback. "Die Zimmer sind gebucht", sagte der Hannoveraner, der an diesem Dienstag nach Marbella reisen und im Camp des früheren Damen- Bundestrainers Klaus Hofsäß trainieren will.

Ljubicic wirkte lethargisch

Während Haas sich zunächst kaum Fehler erlaubte, haderte der wie in den Tagen zuvor lethargisch wirkende Ljubicic mit seiner eigentlichen Stärke, dem Aufschlag. Selbst darin war ihm Haas über weite Strecken überlegen. Als auch der Tiebreak nach hartem Kampf gewonnen war, machte die deutsche Nummer eins alles klar. Neuling Benjamin Becker konnte dank des überraschend glatten Erfolgs unbelastet in sein zweites Daviscup-Match gehen.

Die Ära des neuen B. Becker hatte am Freitag vielversprechend begonnen. Zwar konnte der 25-Jährige dem routinierten Ljubicic nach gewonnenem Tiebreak nicht das Wasser reichen. Doch seine erfrischende und bescheidene Art ließen ihn rasch zu einem Sympathieträger im schwarz-rot-goldenen Team werden. "Ist schon super, was der hier zeigt, oder?", meinte auch der verhinderte Stammspieler Kiefer.

Waske: Boris Beckers Besuch war "besonderer Kick"

Das Signal auf Sieg hatte am Samstag das deutsche Doppel mit Alexander Waske und Michael Kohlmann gestellt. "Das war unsere mit Abstand beste Leistung im Doppel", sagte Kohlmann und strahlte nach dem 6:2, 6:4, 7:6 (7:4) gegen Ancic/Ljubicic mit seinem Kollegen um die Wette. Es war nach sechs Siegen die erste Niederlage für das kroatische Weltklasse-Duo.

"Wir haben nicht einen Breakball zugelassen", sagte Waske und trug seinen Partner, mit dem er vor einer Woche das Turnier in Zagreb gewonnen hatte, nach dem Matchball auf Schultern. Boris Beckers Besuch sei ein "besonderer Kick" gewesen, gestand Waske: "Wenn der Baron in die Kabine kommt, ist es sofort mucksmäuschenstill. Dann fühle auch ich mich wieder wie ein Zwölfjähriger." (tso/dpa)

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