Sport : Daviscup: Kommentar: Das Hundeleben des Carl-Uwe Steeb

Stefan Hermanns

Liebe Kinder, früher, als es mal zwei Deutschländer gab und das eine von einem großen, dicken Kanzler regiert wurde, hatten wir auch mal ein paar gute bis sehr gute Tennisspieler. Damals sind die Leute nachts aufgestanden, um sich Tennisspiele im Fernsehen anzuschauen. 1988 haben wir sogar im Finale des Daviscups gestanden. Ihr wisst schon, das ist der Wettbewerb, in denen wir immer in der zweiten Runde ausscheiden. Carl-Uwe Steeb hat damals im Finale gegen Mats Wilander gespielt, den Weltranglistenersten. Und Steeb hat das getan, was er am besten konnte. Er hat gekämpft. Fünf Sätze lang. Am Ende hatte er sein Match gewonnen und Deutschland zum ersten Mal den Daviscup.

Seitdem lieben die Deutschen Steeb wenigstens ein bisschen. So richtig konnten sie das nie, weil sie doch schon einen anderen liebten, einen, der immer sehr viel besser war. Boris Becker hieß der. Ihr kennt den vielleicht aus der Bildzeitung. Ja, der hat auch mal Tennis gespielt. Becker war unser Held. Dazu taugte Steeb schon deshalb nicht, weil er immer ein bisschen war wie wir selbst. Nicht sehr begabt, aber mit einem starken Willen ausgestattet. Wenn er einen guten Tag erwischt hatte, konnte er jedem Topspieler Probleme bereiten. So wie wir unserem Klubmeister. Na ja, wenigstens manchmal im ersten Satz.

Aus Carl-Uwe wurde irgendwann Charly, und aus Charly irgendwann der treue Charly. Das war zwar nett gemeint, hörte sich aber immer ein bisschen nach Hund an. Der treue Begleiter des Menschen. Steeb spielte diese Rolle meistens an der Seite von Becker, zuletzt als dessen Helfer beim Daviscup-Team. Erst als Becker keine Lust mehr auf geregelte Arbeit hatte, erhielt Steeb die alleinige Verantwortung. Zu sagen hatte er trotzdem nichts - weil sich Spieler wie Nicolas Kiefer und Thomas Haas nichts sagen lassen. Jetzt hat Steeb mit dem Rücktritt als Daviscup-Teamchef seinem Hundeleben ein Ende bereitet. Er habe seine Sache gut gemacht, sagte Kiefer. Steeb muss das als Hohn empfinden. Vielleicht tröstet es ihn: Für Kiefer und Haas würde niemand nachts aufstehen.

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