Sport : Daviscup: Treffpunkt Wandlitz

Ernst Podeswa

Wandlitz. Ausgerechnet hier trafen sich die besten rumänischen Tennisspieler, um sich auf das Daviscupspiel gegen Deutschland vorzubereiten. Ausgerechnet in Wandlitz. Ausgerechnet hier, wo sich die Wohnsiedlung der DDR-Politspitze befand. "Wieso ausgerechnet hier?", fragt Adrian Marcu. "Hier sind optimale Bedingungen mit mehr als einem halben Dutzen Hallenplätzen, mit Schwimmhalle, Fitnessraum, Massagebetreuung und Hotel. Und wir sind hier ungestört." Marcu ist seit 1998 Daviscup-Kapitän Rumäniens. Der 39-Jährige hat zwischen 1981 und 1992 insgesamt 39 Begegnungen für sein Land im Daviscup absolviert. Und Marcu ist seit knapp zwei Jahren Cheftrainer der Tennis-Akademie Berlin-Brandenburg, die sein Landsmann Günter Bosch an diesem denkwürdigen Standort errichten half.

Marcus Schützlinge reisten aus allen Himmelsrichtungen zur heute in Braunschweig beginnenden Erstrundenpartie an. Der Doppelspezialist Gabriel Trifu kam aus Florida, Adrian Voinea aus Italien, Razvan Sabau aus Bukarest. Den kürzesten Weg hatte der Beste: Andrei Pavel kam aus Borgholzhausen bei Halle in Westfalen. Warum drei von vier Spitzenspielern anderswo leben, erklärt Marcu so: "Es fehlt an Geld, es fehlt an Hallen, es fehlt an der Infrastruktur, um in Rumänien den Sprung in die internationale Klasse zu schaffen. Es gäbe genügend talentierte Kinder und Jugendliche im Tennis, doch die gehen - so sie es finanziell können - "in die USA, nach Italien oder Deutschland".

So war es auch bei dem 27-jährigen Andrei Pavel. Ein Sponsor aus München bot ihm vor elf Jahren an, seine Tenniskarriere in Deutschland fortzusetzen. Da war er gerade Europameister der 16-Jährigen geworden. 1992 gewann er als Junior die French Open und kam ins Wimbledon-Finale. Doch so glatt ging es nicht weiter. "Der Druck wurde ungeheuer groß. Alle meinten, ich wäre der neue Ilie Nastase", sagt Pavel. Nastase war 1973 der erste Profispieler, der in der neugeschaffenen Weltrangliste als Nummer eins geführt wurde. Sein technisch brillantes Spiel begeisterte die Zuschauer, sein Showtalent faszinierte Veranstalter und Medien. Zusammen mit Ion Tiriac führte Nastase Rumänien Anfang der 70er Jahre dreimal ins Finale des Daviscups, wo das Duo dreimal den Amerikanern unterlag.

"Die Erwartungen waren zu hoch", sagt Pavel heute. Er ist ein würdiger Nachfolger der großen Rumänen. 1998 gewann er in Tokio als erster Rumäne 20 Jahre nach Nastase wieder ein ATP-Turnier. Pavel lebt länger als ein Jahrzehnt in Deutschland. Seine Frau ist Deutsche. Doch er spielt gern für seine Heimat. "Daviscup ist immer wichtig", sagt er, "und gegen Deutschland in der Weltgruppe ist es unglaublich wichtig". Deshalb wolle er alles dafür tun, "vielleicht eine Überraschung zu schaffen". Den ersten Versuch unternimmt er heute gegen Nicolas Kiefer, während zuvor Ion Moldovan aus Bukarest gegen Thomas Haas spielt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben