Daviscup : Überfordert mit dem Tennispublikum

Der Wintersportort Garmisch war als Austragungsort des Daviscups zwar kostengünstig, aber nicht ideal.

Anke Myrrhe[Garmisch-Partenkirchen]
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Ziemlich leer hier. Die Garmischer Eishalle war klein, aber beim Daviscup gegen Nachbar Österreich nicht ausverkauft. Foto: dpa

Es sollte eine perfekte Daviscup-Atmosphäre werden. Möglichst nah zur österreichischen Grenze, in einer Halle, die nicht mehr als 5000 Zuschauer fasst, um keine leeren Ränge zu riskieren – das waren die Kriterien des Deutschen Tennis Bundes (DTB) bei der Auswahl des Spielortes für die erste Runde gegen Österreich. Mit Garmisch-Partenkirchen aber ging der DTB nicht nur das Risiko ein, das eigene Heimspiel aus der Hand zu geben. Er riskierte auch die Austragung in einer Halle, die nicht dem Standard früherer Begegnungen entspricht. Die Wahl des Ortes zeigte auch: Es wird gespart im DTB.

Ein Raunen ging durch die Halle, als die rund 400 österreichischen Anhänger im Auftaktmatch gleich zu Beginn zwei Doppelfehler von Rainer Schüttler frenetisch bejubelten. Viele befürchteten, es könnte unsportlich weitergehen im Nachbarduell, ähnlich wie 1994 in der Nähe von Graz. „Für die Begegnung mit Österreich war Garmisch der angemessene Ort“, sagte Patrik Kühnen. Der deutsche Teamchef stand vor 15 Jahren selbst mit Michael Stich auf dem Platz und erlebte die aufgeheizte Stimmung. Die Unsportlichkeiten in Garmisch-Partenkirchen hielten sich dann jedoch insgesamt im Rahmen. „Das Gesamtpaket muss stimmen“, sagte ein Sprecher des DTB. „Wir können gegen Österreich nicht in die Großarena nach Hamburg gehen.“

Der DTB hoffte, durch die direkte Grenznähe ein paar mehr Karten zu verkaufen. Dafür gingen aber wohl einige Fans aus dem Norden Deutschlands verloren, denen die Anreise zu lang war. Am Sonntag kamen lediglich 3200 Zuschauer – obwohl der Sieger noch nicht feststand. Die Veranstalter in der kleinen Eishalle wirkten überfordert. Lange Schlangen bildeten sich am Ausschank, und die Unruhe in der Halle war groß. In dem Wintersportort ist man nicht unbedingt auf Tennispublikum eingestellt.

Es waren wohl auch Kostengründe, die den DTB veranlassten, in die Olympische Eishalle von 1936 zu gehen. Hallen in Nürnberg und München waren im Gespräch. Zu groß, hieß es – und wohl auch zu teuer. Über die genauen Kosten schweigen die Verantwortlichen zwar, mit Sicherheit aber waren die modernen Arenen in Braunschweig und Bremen im vergangenen Jahr deutlich teurer.

Der DTB hat existenzielle Geldsorgen durch die Klage, die er gegen die Spielerorganisation ATP führt. Eine Entschädigung forderte der DTB dafür, dass die ATP dem Hamburger Turnier den Masterstatus entzog – und verlor. Nun fordert die ATP ihre Anwaltskosten in Höhe von rund 13 Millionen Euro zurück. Die Entscheidung in zweiter Instanz soll im Frühjahr fallen. Verliert der DTB erneut, droht dem Verband sogar die Insolvenz.

„Die Wahl von Garmisch-Partenkirchen als Austragungsort hatte nichts mit der finanziellen Situation des DTB zu tun“, sagt DTB-Vizepräsident Ulrich Kroeker. „Es war schwierig, eine Halle zu finden, die den Regularien entspricht und knapp zwei Wochen lang frei ist.“ Der DTB gab sich am Ende des Wochenendes zufrieden. Das Ziel ist erreicht: Die deutsche Mannschaft steht im dritten Jahr in Folge im Viertelfinale. Wieder warten die übermächtigen Titelverteidiger aus Spanien. Einen Vorteil hat diese Partie: Gespielt wird in Spanien. Um den Austragungsort müssen sich die Deutschen somit keine Gedanken machen.

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