Sport : DDR-Rekorde werden trotz Dopingverdacht nicht annulliert

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Berlin - Alle deutschen Rekordleistungen in der Leichtathletik werden ungeachtet des Dopingverdachts gegen einige Bestmarken weiterhin anerkannt. Das beschloss der Verbandsrat des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf einer außerordentlichen Sitzung in Darmstadt. Die frühere Sprinterin Ines Geipel hatte beantragt, ihren Namen aus derListe zu streichen, weil ihr Rekord über 4-mal-100 Meter mit der Staffel des SC Motor Jena aus dem Jahr 1984 Ergebnis des DDR-Zwangsdopings war.

Der DLV entschied jedoch, den Namen der ehemaligen Sprinterin – sie startete damals unter ihrem Mädchennamen Schmidt – aus der Liste zu streichen. Ihre drei Staffelkolleginnen hatten darauf bestanden, weiterhin in der Rekordliste geführt werden. „Um gestrichen zu werden, muss ein Athlet einverstanden sein“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. Der Verband habe vor der Sitzung das Gutachten von vier führenden deutschen Sportrechtlern eingeholt. Sie seien übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Annullierung der Rekorde nicht möglich sei. „Diese Sanktionen bestand damals noch nicht, und man kann eine Sanktion nicht nachträglich begründen“, sagte Prokop. Erst seit 1994 gibt es für Weltrekorde entsprechende Regeln, erst seit 1999 für DLV-Rekorde.

Den Vorschlag, zum 1. Januar 2000 eine neue Rekordliste zu beginnen und zuvor erbrachte Bestleistungen als „Jahrhundertrekorde“ zu werten, lehnte der DLV ab. „Damit hätte man saubere Athleten nochmals benachteiligt“, sagte Prokop. Der DLV will dafür der Rekordliste eine Präambel voranstellen, in der darauf hingewiesen wird, „dass nach heutigen Erkenntnissen einige Rekordhalter unter dem Verdacht stehen, Dopingmittel eingenommen zu haben“. Außerdem forderte der DLV vom neuen Sport-Dachverband DOSB eine Lösung zu den dopingbelasteten Rekorde für den gesamten Sport.

Ines Geipel äußerte sich enttäuscht über den Beschluss und sprach von einem „falschen Signal“. Der DLV habe „vorerst die Chance vertan, sich von der Hypothek des DDR-Sports zu befreien“, sagte Geipel dem Tagesspiegel. SB/teu

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