• De Maizière: "Zeit für harte Maßnahmen": Innenminister für Olympiaausschluss russischer Leichtathleten

De Maizière: "Zeit für harte Maßnahmen" : Innenminister für Olympiaausschluss russischer Leichtathleten

Bundesinnenminister Thomas de Maizière findet systematisches Doping "frustrierend". Im Tagesspiegel-Interview erklärt er außerdem, wie der Spitzensport in Deutschland umgebaut werden soll.

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Thomas de Maizière.
Thomas de Maizière.Foto: Thilo Rückeis

Thomas de Maizière begrüßt einen Ausschluss der russischen Leichtathleten von den Olympischen Spielen. „Ich unterstütze den Beschluss der IAAF, den russischen Leichtathletik-Verband von Olympia auszuschließen“, sagte der CDU-Politiker, der als Bundesinnenminister für den Sport zuständig ist, dem Tagesspiegel. „Jetzt ist die Zeit für harte Maßnahmen. Gleichzeitig befürworte ich es, Sportlern, die beweisen können, dass sie nicht zum Doping-System gehört haben, ein Startrecht in Rio einzuräumen.“ De Maizière äußerte sich auch in Bezug auf vertuschte Dopingfälle im Welt-Leichtathletikverband IAAF: „Das von oben gedeckte und systematische Doping ist natürlich besonders frustrierend. Aber ich muss auch sagen: Die Tatsache, dass alles herausgekommen ist, ist auch eine gute Nachricht.“

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Dennoch fordert er künftig von deutschen Sportlern mehr Olympia-Medaillen. Um dies zu erreichen, hat er die Reform der Spitzensportförderung in Deutschland vorangetrieben, die im Herbst beschlossen werden soll. Ein „Grundproblem“ sei die mangelhafte individuelle Talentförderung: „Wir haben bislang sehr stark in die Verbände investiert. In dem neuen System sollen Athlet und Trainer mehr im Fokus stehen.“ Man wolle „systematischer als bisher Talente erkennen und fördern. Da haben wir tatsächlich Nachholbedarf.“

Auch die Trainer will de Maizière „mehr als bisher in den Blick“ nehmen: „Es gibt Fälle, in denen ein Trainer ein Talent nicht loslassen möchte. Das ist menschlich verständlich, aber eben nicht im Sinne einer erfolgreichen Spitzensportförderung.“

Einer Aufstockung des jährlichen Förderbetrags von etwa 170 Millionen Euro jährlich erteilte der Minister eine Absage: „Wir wollen mit dem eingesetzten Geld besser werden. Das geht vor allem mit mehr Miteinander als Nebeneinander. Wir brauchen mehr Zusammenarbeit und deutlich weniger Eifersüchteleien.“

Das bedeute auch, dass Sportarten, die mehr Medaillen versprächen, auch mehr gefördert würden: „So ist es. Wir haben bisher da gefördert, wo in der Vergangenheit viele Erfolge zu verzeichnen waren. In dem neuen System wollen wir mit einer Potenzialanalyse eher zukunftsperspektivisch fördern. An den Kriterien arbeiten wir gerade. Wir stellen verschiedene Attribute zusammen und gewichten diese: Gibt es ein Rahmenkonzept für Trainer? Gibt es eine Talentsichtung? Wie ist die Infrastruktur in der Sportart? Diese Attribute bilden zusammen einen Blick auf eine Sportart – und daraus entsteht ein Förderungskonzept.“

Das komplette Interview finden Sie am Dienstag im gedruckten Tagesspiegel.

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