Sport : Debakel, Teil zwei

Die Bayern verlieren 1:4 in Mailand und scheiden aus der Champions League aus

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Beim Fußball spielt immer auch die Psychologie mit, und aus diesem Grund hat Felix Magath, der Trainer des FC Bayern München, gestern gegen den AC Mailand zwei Spieler aufgeboten, die zuletzt zuverlässig zwischen Fußballplatz und Ersatzbank pendelten. Etwas überraschend standen Sebastian Deisler und Bastian Schweinsteiger im wichtigen Achtelfinal- Rückspiel der Champions League gestern Abend in der Anfangsformation. „Das ist eine gute Gelegenheit für sie, sich für die Leistung in Florenz zu rehabilitieren“, sagte Magath vor dem Anpfiff. In Florenz hatten Deisler und Schweinsteiger eine Woche zuvor mit der deutschen Nationalmannschaft 1:4 gegen Italien verloren. Doch wie schon tags zuvor die Bremer (in Turin), so scheiterten auch die Bayern beim Versuch der tätigen Wiedergutmachung. Sie verloren 1:4 gegen Milan und sind nach dem 1:1 aus dem Hinspiel aus dem Wettbewerb ausgeschieden.

Im Länderspiel hatten die Deutschen schon nach sieben Minuten 0:2 zurückgelegen. Im Vergleich dazu erwiesen sich die Bayern gestern als geradezu standhaft. Erst in der achten Minute traf Filippo Inzaghi zum 1:0 für Milan. Martin Demichelis hatte in der eigenen Hälfte einen verhängnisvollen Fehlpass gespielt, Serginho konnte von der linken Seite unbedrängt flanken, und Inzaghi zur Mailänder Führung einköpfen. Torhüter Oliver Kahn, der den Rückschlag noch stoisch zur Kenntnis nahm, hatte keine Abwehrchance.

Schon in der ersten halben Stunde deutete sich eine Wiederholung des Debakels von Florenz an. Mit hoher Laufbereitschaft schufen die Italiener in Ballnähe immer wieder Überzahlsituationen, sie setzten ihren Gegner unter Druck und zwangen die Bayern erfolgreich zu Fehlern. Nach einer Viertelstunde hieß das Eckenverhältnis 5:0 für Milan, und knapp zehn Minuten später stand Andrej Schewtschenko zum Elfmeter bereit. Valerien Ismael hatte Inzaghi gefoult. Schewtschenko aber schoss den Ball am Tor vorbei. Kahn lief dem Schützen hinterher und brüllte ihn an.

Der Kapitän der Bayern wollte ein Zeichen setzten, die Wirkung aber blieb zunächst aus. Schewtschenko zeigte sich keineswegs beeindruckt von Kahns Psychospielchen: Nur eine Minute nach seinem vergebenen Elfmeter köpfte er Milan 2:0 in Führung. Es schien bereits die Entscheidung zu sein. Doch die Münchner meldeten sich noch einmal zurück. „Erst nach dem 0:2 hat die Mannschaft begriffen, dass sie unheimlich fighten muss“, sagte Manager Uli Hoeneß. Zehn Minuten vor der Pause ließ Mailands brasilianischer Nationaltorhüter Dida einen Freistoß von Schweinsteiger aus den Händen gleiten – Ismael traf im Nachschuss zum 1:2. Noch vor der Pause hatte der sonst schwache Michael Ballack nach einem Freistoß von Deisler eine gute Kopfballchance zum Ausgleich, doch Dida rettete.

Zur zweiten Hälfte brachte Magath Paolo Guerrero für den enttäuschenden Roy Makaay. Die Hoffnungen der Bayern auf eine Wende währten nach dem Wiederanpfiff allerdings gerade mal 100 Sekunden: Dann verlor Deisler an der Außenlinie ein Laufduell gegen Serginho, dessen Hereingabe verlängerte Ismael unglücklich an das Knie von Bixente Lizarazu, und von dort sprang der Ball Inzaghi vor die Füße, der zum 3:1 vollendete.

Gerade in den entscheidenden Phasen zeigte sich die spielerische Klasse, die technische und auch körperliche Überlegenheit der Mailänder. Dass ihnen durch den Brasilianer Kaka nach knapp einer Stunde auch noch das 4:1 gelang, war eine zusätzliche ironische Note. Das Länderspiel-Ergebnis aus der Vorwoche war wiederhergestellt – und die Idee von Felix Magath, die seine Aufstellung geleitete hatte, ad absurdum geführt. Die drei deutschen Nationalspieler Ballack, Deisler und Schweinsteiger hatten gegen Milan genauso überfordert gewirkt wie eine Woche zuvor in Florenz.

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