Sport : Debatten zur Linie

Nach dem unglücklichen Ausscheiden der Ukraine wird wieder heftig um die Einführung elektronischer Hilfsmittel gestritten. Auch zwischen Fifa und Uefa.

Am Tag danach war die Wut in der Ukraine noch immer gegenwärtig. „Wie viele Referees braucht man noch?“, fragte die Zeitung „Segodnja“. Stunden zuvor war die Ukraine nach einem 0:1 gegen England ausgeschieden. Der ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai hatte den Gastgebern ein Tor nicht anerkannt, weil er den Ball nicht im Tor gesehen hatte. Eine Fehlentscheidung, wie die Fernsehbilder zeigten. Ein Unentschieden hätte der Ukraine zwar nicht gereicht, die Szene wurde aber als spielentscheidend angesehen. „Das war ein klares Tor, es hätte das Spiel verändert“, meinte Andrej Schewtschenko nach seinem letzten Spiel im Nationaltrikot.

Inzwischen sind bei internationalen Spielen fünf Schiedsrichter in unterschiedlichen Funktionen, unter anderem als Torrichter, im Einsatz. Die Torrichter gibt es noch nicht so lange und vielleicht sind sie auch schon bald wieder Geschichte. Das nicht gegebene Tor löste erneut eine heftige Debatte um elektronische Hilfsmittel im Fußball aus. „Nach dem Spiel der vergangenen Nacht ist die Torlinien-Technologie keine Alternative mehr, sondern eine Notwendigkeit“, teilte Joseph Blatter über Twitter mit. Der Boss des Fußball-Weltverbandes Fifa erhielt unter anderem Unterstützung von Franz Beckenbauer: „Wenn es nach mir geht: Torkamera und Torrichter“, sagte Beckenbauer.

So könnte es beim Thema um elektronische Hilfsmittel zu Spannungen zwischen der Fifa und dem europäischen Verband Uefa kommen. Uefa-Präsident Michel Platini hatte am Vortag des Spiels bekräftigt, eine „menschliche Lösung“ zu favorisieren.

Die Fassungslosigkeit über das tragische Ausscheiden schlägt in der Ukraine derweil seltsame Kapriolen. So wollen zahlreiche Bürger der westukrainischen Stadt Uzhgorod zusammen mit Abgeordneten ihres Regionalparlaments offiziellen Protest bei der Uefa gegen die Wertung des Spiels einlegen. Ein symbolischer Akt, betonten doch ukrainische Regierungsvertreter, dass sich das Team gut geschlagen habe und es keinen Grund gebe, die Unparteilichkeit des Schiedsrichters oder die ganze Euro infrage zu stellen.

Die ukrainischen Spieler haben dagegen genug. „Die Spieler sind nach Hause gereist“, sagte Teamsprecher Alexander Glywinski. Eine Abschiedszeremonie, wie sie die Polen zelebriert haben, wird es nicht geben. Dafür läuft nun eine hitzige Debatte. Nicht nur in der Ukraine. nik/sst

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