Debüt : 90 Minuten mit Steve von Bergen

Das Debüt des neuen Innenverteidigers von Hertha BSC in Bielefeld.

Sven Goldmann
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Steve von Bergen -Foto: dpa

Steve von Bergen ist bereit zur Improvisation. Einmal hat der Schweizer gemeinsam mit Josip Simunic trainiert, jetzt bilden die beiden gemeinsam die Berliner Innenverteidigung. Herthas Trainer Lucien Favre kennt und schätzt die Spielintelligenz seines Landsmannes aus gemeinsamen Tagen in Zürich. Das Spiel beginnt, Simunic schiebt den Ball zu van Bergen, der lässt ihn kurz laufen, hebt den Kopf und spielt ihn steil in den Lauf zu Patrick Ebert. So soll die Spieleröffnung über die Innenverteidigung funktionieren.

Dem neuen Berliner Abwehrduo gelingt schnell, das Bielefelder Angriffsspiel weit in die neutrale Zone zurückzudrängen. In der Defensive hat es von Bergen meist mit Artur Wichniarek zu tun. Der frühere Herthaner findet nur selten den Weg in den Strafraum, im Duell eins gegen eins hat er wenig zu bestellen gegen den Neu-Berliner von Bergen. Einmal klärt er spektakulär mit dem Kopf, ein anderes Mal spitzelt er den Ball mit eleganter Grätsche dem Bielefelder Christian Eigler vom Fuß. Eine Halbzeit lang fällt der Arminia wenig ein gegen die gut gestaffelten Berliner.

Es ist ausgerechnet eine gelungene Abwehraktion von Bergens gegen Wichniarek, die Bielefelds Führung einleitet. Den anschließenden Eckball schlägt Jörg Böhme von links in den Strafrum, und plötzlich herrscht ungewohnte Unsicherheit im Berliner Strafraum. Simunic gerät ins Straucheln, von Bergen steht ungünstig und kann nicht sehen, wie sein Partner per Scherenschlag zurückpasst auf Torhüter Drobny, der den Ball in höchster Gefahr mit der Hand aufnimmt. „War das wirklich ein Freistoß?“, fragt von Bergen später. Ja, es war einer. Masmanidis drischt ihn zum 1:0 ins Netz.

Von Bergen spielt unbeeindruckt weiter. Obwohl er schon am Mittwoch gegen die Niederlande ein Länderspiel bestritten hat, scheint ihm die Hitze nichts auszumachen. Er sprintet schneller als der frische, eingewechselte Masmanidis, der ihn im Mittelfeld umschubst. Freistoß.

Eine Viertelstunde vor Schluss scheint der Arbeitstag des Schweizers beendet zu sein. Favre will den Brasilianer Mineiro einwechseln, er winkt von Bergen zur Seitenlinie und redet gestikulierend auf ihn ein. Letzte taktische Anweisungen für die Schlussphase, denn der Trainer denkt gar nicht daran, von Bergen vom Platz zu nehmen. Er schickt ihn für den ausgewechselten Sofian Chahed auf die rechte Seite, „nicht ganz meine Position“, sagt von Bergen.

Herthas finale Angriffsbemühungen sichert er an er Mittellinie ab. Kurz vor Schluss stürmt er mit nach vorn, aber die Flanke vom rechten Flügel missrät ihm und segelt ins Toraus. Auch das bittere Ende verfolgt er von der ungeliebten rechten Seite. Malik Fathi ist in die Mitte geeilt und will klären gegen Wichniarek, der gegen von Bergen überhaupt nicht zum Zuge gekommen war. Der Schweizer sieht Fathis Kopfball über den herausgeeilten Drobny fliegen und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als der Bielefelder ins leere Tor vollendet zum 2:0. Danach ist Schluss, von Bergen hat gut gespielt und die Niederlage doch nicht verhindern können. Zufrieden? Der Schweizer schüttelt den Kopf. „Wenn du 0:2 verloren hast, kannst du als Innenverteidiger nicht zufrieden sein.“

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