Sport : Deep Fritz treibt an der Oberfläche

Vorentscheidung für Kramnik im Schachduell Mensch – Maschine

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Von Martin Breutigam

Im Duell zwischen dem russischen Weltmeister Wladimir Kramnik und dem Schachcomputer Deep Fritz scheint eine Vorentscheidung gefallen zu sein. Kramnik gewann auch die dritte Partie in Manama (Bahrain) und führt vor der vierten, die am heutigen Donnerstag gespielt wird, mit 2,5:0,5 Punkten. Wie in den ersten beiden Partien lockte der 27-jährige Champion seinen elektronischen Gegner erneut in eine übersichtliche, aber strategisch gehaltvolle Stellung, für deren richtige Beurteilung Deep Fritz’ Rechengewalt offenbar nicht ausreichte.

Im 18. Zug nahm sich Kramnik eine halbe Stunde Bedenkzeit, rauchte eine Zigarette und stellte dann seinen Springer nach b4. Bereits nach dem zweifelhaften Antwortzug habe er gefühlt, so Kramnik hinterher, dass er erneut gewinnen werde. Fünf Züge später beherrschten seine aktiven Figuren das Brett, bald gewann er einen Bauern, und spätestens im 41. Zug, als er einen mächtigen Freibauern bildete, hätte das Team von Deep Fritz das Gerät vom Strom nehmen sollen. Doch erst nach weiteren zehn Zügen gaben sie sich geschlagen.

Deep Fritz – Wladimir Kramnik (3. Partie) 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 (Diesmal spielt Deep Fritz Schottisch. In der 1. Partie hatte der Computer Spanisch versucht, aber gegen Kramniks Berliner Verteidigung nichts ausrichten können.) 3...exd4 4.Sxd4 Lc5 5.Sxc6 (Anders als Garry Kasparow bei seiner Niederlage gegen Deep Blue vor fünf Jahren wählt Kramnik gegen Deep Fritz die gleichen Hauptvarianten wie gegen seine menschliche Konkurrenz. Beispielsweise spielte er gegen Alexander Morosewitsch vor einem Jahr in Dortmund 5.Le3 Df6 6.c3 Sge7 7.Lc4 Se5 8.Le2 Dg6 9.0-0 d6; vielleicht hätte auch das Team von Deep Fritz diese komplizierte Variante spielen lassen sollen. Stattdessen kommt es nun abermals zu einer verschachtelten Position mit frühem Damentausch, womit das Verlustrisiko gegen einen Computer minimiert ist, zumindest für einen genialen Strategen wie Kramnik.) 5...Df6 6.Dd2 dxc6 7.Sc3 Se7 8.Df4 Le6 9.Dxf6 gxf6 10.Sa4 Lb4+ 11.c3 Ld6 12.Le3 b6 13.f4 0-0-0 (Weil auf der c- und f-Linie schwarze Doppelbauern stehen, beurteilen Computer diese Stellung allzu optimistisch als vorteilhaft für Weiß. Tatsächlich sind Doppelbauern normalerweise als Schwäche anzusehen, hier ist die Sache indes nicht so klar, zumal sich die Doppelbauern noch auflösen könnten. Übrigens war 13...0-0-0 der erste neue Zug.) 14.Kf2 c5 15.c4 Sc6 16.Sc3 f5 17.e5 Lf8 18.b3? (In diesem Zeitverlust scheint die Ursache der weißen Niederlage zu liegen. Überzeugender sieht 18.Sd5 aus, z.B. 18...Sd4! 19.Td1 c6 20.Sf6 Le7 21.Ld3, mit etwa gleichen Chancen.) 18...Sb4! 19.a3?! (Auch dieser, die Bauernstruktur am Damenflügel schwächende Zug wurde allgemein kritisiert, allerdings käme Schwarz nach 19.Tc1 Lg7 ebenfalls gut ins Spiel, z.B. 20.Le2 f6!) 19...Sc2 20.Tc1 Sxe3 21.Kxe3 Lg7 22.Sd5 c6 23.Sf6 Lxf6 24.exf6 The8 (Im Grunde steht Schwarz bereits auf Gewinn. Der weiße Königsflügel ist noch immer nicht entwickelt, der Turm döst auf h1 vor sich hin, während Kramniks Türme schön zentralisiert sind und bald ins weiße Lager eindringen werden.) 25.Kf3 Td2 26.h3 Ld7 (Nebenbei fällt auf f6 die erste „Frucht“.) 27.g3 Te6 28.Tb1 Txf6 29.Le2 Te6 30.The1 Kc7 31.Lf1 b5 32.Tec1 Kb6 (Mit den letzten drei Zügen hat Kramnik die Stellung seines Königs verbessert, dieser könnte bald, nach Abtausch der Türme, am Damenflügel einsteigen.) 33.b4 cxb4 34.axb4 Te4 35.Td1 Txd1 36.Txd1 Le6 37.Ld3 Td4 38.Le2 Txd1 39.c5+ Kb7 40.Lxd1 a5! 41.bxa5 Ka6 42.Ke3 Kxa5 43.Kd4 b4 44.g4 fxg4 45.hxg4 b3 46.Kc3 Ka4 47.Kb2 f6 48.Lf3 Kb5 49.g5 f5 50.Kc3 Kxc5 0:1.

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