Sport : Defensiv voran

Russlands Basketballer überzeugen bei der EM

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NBA-Star im Anflug. Andrej Kirilenko hilft den Russen auch in der Offensive. Foto: dpa
NBA-Star im Anflug. Andrej Kirilenko hilft den Russen auch in der Offensive. Foto: dpaFoto: dpa

Andrej Kirilenko hat eine klare Vorstellung davon, wofür das Spiel seiner Mannschaft stehen soll. „Wir sind ein verteidigungsorientiertes Team, das ist unsere Visitenkarte“, sagt der 30-Jährige vom NBA-Team Utah Jazz. Bisher gelingt das den russischen Basketballern bei der Europameisterschaft in Litauen hervorragend, zuletzt bekamen das die Griechen zu spüren, die Russland in der Zwischenrunde am Samstagabend deutlich mit 67:83 unterlagen. 67 Punkte sind nicht gerade viel – aber immer noch mehr, als die meisten Mannschaften gegen Kirilenko und seine Mitspieler zustande gebracht haben. Die Russen sind bei der Europameisterschaft nicht nur ungeschlagen und bereits vor dem letzten Gruppenspiel gegen Mazedonien am heutigen Montag für das Viertelfinale qualifiziert, sie stellen auch die beste Defensive des Turniers. Bis zum Sonntag war nur Frankreich ebenfalls unbesiegt, die Franzosen trafen nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe in der anderen Zwischenrundengruppe auf Spanien, Deutschland kämpfte gegen Litauen um den Einzug ins Viertelfinale.

Schon bei der Europameisterschaft 2007 war Kirilenko der wichtigste Spieler bei den Russen, die im Finale Gastgeber Spanien überraschend schlugen und den Titel gewannen. Der Mann mit den endlos scheinenden Armen wurde anschließend zum MVP gewählt, auch in Litauen zeigt Kirilenko mit im Schnitt 15,6 Punkten und sechs Rebounds starke Leistungen, zudem gelingen dem NBA-Profi mehr Steals als allen anderen Spielern. Im EM-Finale von Madrid vor vier Jahren war es allerdings der eingebürgerte US-Amerikaner J.R. Holden, der seinem Basketball-Heimatland Russland mit einem Treffer in letzter Sekunde den Titel sicherte. Der mittlerweile zurückgetretene Holden scheint den Russen nicht zu fehlen, die Griechen jedenfalls waren in der zweiten Hälfte fast chancenlos gegen die Mannschaft des US-amerikanischen Trainers David Blatt.

„Ich denke, wir haben heute unser bestes Spiel des Turniers gezeigt“, sagte Blatt hinterher. „Wir haben gut zusammen gespielt und die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment getroffen.“ Nach zwei eher enttäuschenden Turnieren – die Europameisterschaft 2009 und die Weltmeisterschaft 2010 endeten für Russland im Viertelfinale – zählt Blatts Team nun wieder zu den Favoriten. „Ich weiß nicht, ob wir eine stärkere Mannschaft sind als 2007“, sagt Kirilenko. „Wir sind einfach eine andere Mannschaft.“ Hinzugekommen ist zum Beispiel Timofej Mosgow, ein wuchtiger Center, der sein Geld bei den Denver Nuggets in der NBA verdient. Im Spiel gegen Griechenland war der 25-Jährige überhaupt nicht zu stoppen: Er erzielte 19 Punkte.

Zusätzliche Motivation haben die russischen Spieler aus dem Flugzeugunglück gezogen, bei dem am vergangenen Mittwoch fast die gesamte Eishockey-Mannschaft von Lokomotive Jaroslawl ums Leben kam. Seitdem spielen die russischen Basketballer mit Trauerflor. Auch wenn die Spieler sagen, sie seien in ihren Gedanken bei den Opfern und Hinterbliebenen des Absturzes – ihrer Konzentration auf die Verteidigung hat es bisher nicht geschadet.

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