Sport : Defensive mit Verantwortung

Alba hofft auch heute in Bamberg auf Archibong

Benedikt Voigt

Berlin - Es könnte daran liegen, dass Kirk Penney erst seit eineinhalb Monaten für Alba Berlin spielt. Der neuseeländische Flügelspieler sitzt auf einer Bank in der Halle B der Max-Schmeling-Halle und überlegt, wer der zweite Kapitän seiner Mannschaft sein könnte. „William Avery ist unser Kapitän“, sagt er, „wenn er nicht spielt, müssen alle anderen mehr Verantwortung übernehmen.“ Gute Antwort, aber nicht ganz die richtige: Koko Archibong ist der zweite Kapitän. „Ach“, sagt Penney erstaunt, „ist er das?“

Es könnte auch an Koko Archibong liegen. Der nigerianische Defensivspezialist ist derart ruhig und introvertiert, dass oft nicht auffällt, welche Rolle er bei Alba spielt. Heute im Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga beim Tabellendritten Brose Baskets aus Bamberg (17 Uhr, live auf Premiere) wird seine Aufgabe erneut eine bedeutsame sein: Er muss bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte den US-Amerikaner Casey Jacobsen bewachen. „Ich freue mich, meine alten Freunde wiederzusehen“, sagt Archibong. Seine alten Freunde, mit denen er zwei Jahre lang gespielt hat, haben in den letzten Monaten neun Spiele hintereinander gewonnen und liegen bereits in Reichweite von Platz zwei. Da trifft es sich für Alba gut, dass am Freitag erstmals wieder Julius Jenkins nach seiner Halswirbelstauchung trainieren konnte und wohl heute mit von der Partie ist. Auch Kapitän William Avery wird spielen, nachdem Alba vergangene Woche entschieden hatte, ihn trotz einer Patellasehnenverletzung nicht mehr pausieren zu lassen. „Er muss sich durchbeißen“, hat Trainer Henrik Rödl erklärt. Am Mittwoch beim 87:83 über die Artland Dragons machte Avery deutlich, wie wichtig er auch in angeschlagenem Zustand für das Team ist. Obwohl Avery noch nie in Bamberg gespielt hat, kennt er die Brisanz dieses Auswärtsspiels. „Ich habe gehört, dass sich die Fans dort Alba-Killer nennen“, sagt er.

Vielleicht hat ihm das Archibong verraten, der aber nur selten redet. „Er ist ein sehr ruhiger Typ“, bestätigt Johannes Herber, „aber auf dem Feld führt er das Team durch seine Intensität in der Verteidigung.“ Inzwischen versucht Archibong gelegentlich, sein Team auf dem Feld auch verbal anzuleiten, indem er es zu einer kurzen Besprechung zusammenruft. Manchmal aber muss Alba den 25-Jährigen auch suchen. Zum Beispiel bei der Auswärtsreise nach Jerusalem, als Koko Archibong bei der Einreise in Tel Aviv kurzzeitig verschwunden war. „Wo ist Koko?“, fragte Mannschaftsbetreuer Eicke Marx. Die Spieler blickten sich verwundert um, bis sie ihn auf der anderen Seite der Passkontrolle entdeckten. Der Flügelspieler war mit seinen kaffeetassengroßen Kopfhörern alleine durch die Einreisekontrollen gegangen. So ist das mit Koko Archibong: Man sieht ihn vielleicht nicht, aber er ist stets dabei.

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