Sport : Defensives Deutschland

Ohne Schwung verliert die Fußball-Nationalmannschaft auf Mallorca gegen Spanien mit 1:3

Michael Rosentritt

Palma de Mallorca. Für Rudi Völler taugte das zweite Aufeinandertreffen mit Spanien nicht zu einem Fußballfest. Vor zweieinhalb Jahren hatte seine Karriere als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft mit einem rauschenden 4:1-Sieg gegen die Iberer in Hannover begonnen. Nach der deprimierenden EM 2000 hatte sich die deutsche Elf damals zurück in die Herzen der Fans gespielt. Daran war gestern im Stadion Son Moix von Palma de Mallorca nicht zu denken. Mit 1:3 (1:1) verlor der Vize-Weltmeister das Freundschaftsspiel gegen die Spanier vor 20000 Zuschauern. In einer Partie mit wenigen Höhepunkten fehlte der DFB-Elf über weite Strecken der Schwung. Raul hatte die Spanier in der 31. Minute in Führung gebracht und später per Elfmeter das 2:1 geschossen (76.), Bobic erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich. Guti traf zum Endstand beim verdienten spanischen Sieg (82.).

Schnelle, Gefahr bringende Spielzüge gegen die längst nicht sicher wirkende spanische Abwehr konnte das deutsche Mittelfeld nur selten initiieren. Doch angesichts der langen Liste fehlender Stammspieler durfte man wohl auch nicht zu viel erwarten von dieser deutschen Mannschaft. Das zentrale Mittelfeld war mit Jeremies und Ramelow, der kurzfristig für den an einer Grippe erkrankten Dortmunder Frings in die Elf gerutscht war, eher defensiv besetzt. Hier fehlten die Offensivqualitäten eines Michael Ballack oder Dietmar Hamann, die nicht dabei waren. Im Mittelfeld wurde auch der Fehler gemacht, der den Spaniern zur Führung verhalf. Ramelow versäumte es, Baraja am Flanken zu hindern. So landete dessen Ball genau auf dem linken Fuß von Raul. Metzelder stand zu weit weg, ließ sich täuschen, und Raul schrieb ein Stück spanische Fußballgeschichte. Mit einem Flachschuss bezwang er Kahn, erzielte sein 30. Länderspieltor und wurde damit Spaniens Rekordtorschütze. Der Dortmunder Metzelder sah auch in der Entstehung des spielentscheidenden Elfmeters nicht gut aus. Er hätte die Flanke auf Raul verhindern müssen. So aber erreichte der Ball den spanischen Kapitän, der dann von Wörns gefoult wurde und den Strafstoß selbst verwandelte. Besser machte es in der deutschen Abwehr Herthas Friedrich, der auf der rechten Abwehrseite Vicente weitgehend abmeldete. Auch der Debütant Rau spielte in der ersten Hälfte auf der anderen Defensivseite nicht schlecht. Doch verletzungsbedingt musste der 21-jährige Wolfsburger später das Feld verlassen.

Von einer jungen Mannschaft war im Vorfeld der Partie immer wieder gesprochen worden. Doch die deutsche Anfangself erreichte ein Durchschnittsalter von 27,1 Jahren und war damit deutlich älter als das gegnerische Team. Später kam zwar Benjamin Lauth noch zu seinem erhofften Debüt. Doch der 21-jährige Stürmer von 1860 München kam abgesehen von einer guten Szene nicht ins Spiel. Zwei gefährliche Schüsse von Jeremies - einer davon vom Mittelkreis auf die Querlatte - sowie ein kurioser, zwischenzeitlicher Ausgleichstreffer, bei dem der Ball von Bobics Oberschenkel ins Tor prallte, war alles, was das deutsche Spiel auf Mallorca zu bieten hatte.

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