Degenturnier Weißer Bär : Jiri Beran: Von Rio nach Berlin

Als einziger Olympia-Teilnehmer schafft es der Tscheche Jiri Beran beim Weißen Bär bis ins Halbfinale.

David Schulze-Seeger
Jiri Beran
Jiri BeranFoto: imago/CTK Photo

Jiri Beran handelt nach einer klaren Devise: Bloß nicht zu weit vorausdenken, dann kommt man am weitesten. Es klinge zwar nach einer Plattitüde, sagt er, „aber ich versuche, mich immer erst auf den nächsten Gegner zu fokussieren“. Am Wochenende beim Weißen Bär von Berlin half ihm diese Herangehensweise erneut sehr. Der Tscheche erreichte bei dem traditionsreichen Degenturnier, das er als eines seiner Lieblingsturniere bezeichnet, das Halbfinale am Sonntag. Gewinner der 57. Auflage im Berliner Olympiapark war der Franzose Aymerick Gally.

Beran hält auch deshalb so sehr an seinem Motto fest, weil es ihn ohne Zweifel zum größten Erfolg seiner Karriere geführt hat. Im vergangenen April setzte er sich nach einem wahren Qualifikationsmarathon für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro durch. Er war damit der einzige Degenfechter Tschechiens in Brasilien. Auf den Fotos direkt nach seinem entscheidenden Sieg bei dem Qualifikationsturnier in Prag sieht Beran wie der glücklichste Mensch der Welt aus. Er strahlt, reckt eine brasilianische sowie die tschechische Fahne in die Höhe – und ist zugleich vollkommen erschöpft. „Das war so großartig“, sagt der 35-Jährige aus Prag, der beim Weißen Bär der einzige Olympia-Teilnehmer war.

Bei den Sommerspielen in Rio lief es für ihn dann allerdings umso enttäuschender. Gleich im ersten Duell verlor er und schied aus. „Ich hatte mich drei Monate hart für diesen Moment vorbereitet – und dann das! Aber das ist nun mal so beim Fechten“, sagt er. „Für mich geht es jedoch eh mehr um die tolle Erfahrung, die ich gemacht habe.“ Da mag der Höhepunkt noch so verkorkst sein. Beran, der neben dem Fechten bereits als Architekt arbeitet, geht seinen Sport überhaupt eher ruhig und nüchtern an. „Jiri ist sehr schlau und gelassen, nicht so aufgeregt wie die anderen Fechter“, sagt sein tschechischer Teamkollege Richard Pokorny.

Schließlich zeigte sich auch in Rio: Bloß nicht zu weit vorausdenken. „Das hat mir übrigens mein Vater eingebläut“, betont Beran. Und er erinnert sich auch darum stets an diese Devise, weil sein Vater Jiri Beran senior ihn trainiert. „Wir sind ein gutes Team. Er brachte mich zum Fechten. Allerdings ging es als Teenager immer nur darum“, sagt Jiri Beran junior, und betont dann aber sofort: „Ohne ihn wäre ich nicht zu Olympia gekommen.“

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