Sport : Dehnen für 2006

Klinsmann bleibt seiner Philosophie treu

Stefan Hermanns

Frankfurt am Main - Markus Babbel hat einen ganz falschen ersten Eindruck von der neuen Zeit bekommen. „So viel hat sich nicht verändert“, hat der Verteidiger vom VfB Stuttgart nach seiner ersten Trainingseinheit mit der Nationalmannschaft seit fast fünf Jahren gesagt. „Im Moment fördern wir die deutschen Tugenden mit Lauf- und Fitnesstests.“ In Wirklichkeit hat sich viel verändert unter dem Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Der Fitness- und Leistungstest, dem sich 31 Kandidaten für die Nationalmannschaft zurzeit in Frankfurt am Main unterziehen, ist nur Teil eines ganzheitlichen Ansatzes, den Klinsmann verfolgt.

Am Montagabend hat er den Nationalspielern noch einmal eine Powerpoint-Präsentation gezeigt, „um unsere Planung und unsere Philosophie vorzustellen“. Die Spieler kennen nun zum Beispiel die Auswahlkriterien des Trainerstabes. Sie wissen, dass auch die Lebensweise, die Persönlichkeitsentwicklung auf und neben dem Platz eine Rolle spielen und „dass wir viel arbeiten werden in den Bereichen Fitness und Schnelligkeit“.

Dahinter steht Klinsmanns Idee, dass in der Spitze Kleinigkeiten über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. „Man kann auch mit 33 noch ein paar Zehntelsekunden schneller werden, wenn man richtig trainiert“, sagt der Bundestrainer. Zum zweiten Mal hat er einen umfassenden Fitnesstest angeordnet; doch anders als im September in Berlin sind diesmal alle Kandidaten für die Nationalmannschaft dabei.

Die Übungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Die Qualität nimmt zu, wenn man wirklich Ruhe hat“, sagt Mannschaftsarzt Tim Meyer, der gestern die Sprinttests leitete. „Von den Ergebnissen war ich positiv angetan“, sagt er. Für die Koordinationsübungen heute hat Klinsmann wieder den US-amerikanischen Spezialisten Mark Verstegen und sein Team engagiert. Das Programm, in dem es um Koordination, Dehnfähigkeit, Kraft und muskuläre Balance geht, dient vor allem einer effektiven Vorbeugung von Verletzungen. Viele der Übungen sind inzwischen in das normale Training integriert worden. „Das wird ganz ordentlich angenommen“, sagt Meyer.

Ein weiteres wichtiges Thema in Frankfurt wird die Prämie für den Gewinn der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr sein. Heute wird der Mannschaftsrat erneut mit der Führung des Deutschen Fußball-Bundes verhandeln, laut Klinsmann ist das Thema „im Prinzip schon fast durch“. Für den Titelgewinn verlangen die Nationalspieler etwa 300 000 Euro, mehr als dreimal so viel wie bei der letzten WM. Klinsmann hält diese Forderung für nicht überzogen: „Die Nationalmannschaft ist der größte Geldgeber des DFB. Da soll die Mannschaft auch ihren Teil abhaben.“

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