Deisler-Rücktritt : "Schwarzer Tag" für die Bayern

Der FC Bayern hat durch den Rücktritt von Sebsatian Deisler und den Wechsel von Hasan Salihamidzic zu Turin zwei wichtige Spieler verloren. Manager Hoeneß muss nun den Neuaufbau des Mittelfelds forcieren.

München - Der deutsche Branchenprimus hat innerhalb weniger Stunden einen lange kränkelnden Hoffnungsträger und eine verlässliche Stütze verloren. "Jetzt muss ich mich erst einmal erholen", gestand ein sichtlich gezeichneter Manager Uli Hoeneß eineinhalb Wochen vor Beginn der Bundesliga-Rückrunde. Nach dem noch immer nicht gänzlich verkrafteten Weggang von Michael Ballack muss der FC Bayern den Neuaufbau seines Mittelfeldes noch intensiver vorantreiben.

Vor allem das Karriereende des jahrelang von Verletzungen und Depressionen geplagten Deisler ging dem erfahrenen Manager nah. "Wir haben gekämpft um Sebastian. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass das alles nur ein Albtraum ist." Doch bei einem Gespräch am Montagabend unterrichtete Deisler Hoeneß über seine Entschluss, seine von Knieverletzungen und Depressionen geplagte Karriere mit sofortiger Wirkung zu beenden. "Die Entscheidung steht: Sie ist in mir gereift", sagte Deisler. "Das ist keine Entscheidung, die von heute auf morgen gefallen ist."

Kommt jetzt Ribéry?

Gerade mit Blick auf das Mittelfeld, in dem die Bayern trotz Neuzugangs Mark van Bommel in dieser Saison wiederholt Defizite aufwiesen, hatten die Bayern-Oberen ihre Hoffnungen auf Deisler gesetzt und auch mögliche prominente Neuverpflichtungen mit dessen Rückkehr verknüpft. "Es hängt nicht von Deisler ab, aber es hängt damit zusammen", hatte Hoeneß noch vor wenigen Tagen beim Trainingslager des deutschen Rekordmeisters in Dubai zum Werben um die französische Offensivkraft Franck Ribéry von Olympique Marseille betont. "Wenn Deisler wider Erwarten nicht die Form finden wird, ist das eher ein Thema", so Hoeneß vor Wochenfrist.

Deisler gibt auf, Offensivkünstler Mehmet Scholl hat das Ende seiner langen Karriere zum Saisonschluss schon lange verkündet und auch "Dauerbrenner" und "Dauerrenner" Salihamidzic verlässt den deutschen Rekordmeister. "Wir haben diese Entscheidung respektiert", kommentierte Hoeneß den Wechsel des Bosniers in der Sommerpause zu Juventus Turin. Zwar bedauerte der Manager die Entscheidung des 30-Jährigen, doch Steine wollte ihm der FC Bayern nicht in den Weg legen. "Brazzo" erhalte in Turin neben einem Vier-Jahres-Vertrag zum Abschluss seiner Karriere auch ein "unglaublich hohes garantiertes Gehalt", betonte Hoeneß.

Hoeneß: "Wir müssen jetzt alles neu überdenken"

"Das ganze Paket stimmt: Ich kann mit 30 noch einmal ins Ausland und etwas völlig anderes kennen lernen", begründete der Bosnier, für den beim Hamburger SV und dem FC Bayern fast 300 Bundesliga-Einsätze zu Buche stehen, seinen Wechsel über die Alpen. "Ein weiterer Coup von Juve", schrieb die "Gazzetta dello Sport", nach deren Angaben Salihamidzic knapp zwei Millionen Euro im Jahr verdienen soll.

"Wir müssen jetzt alles neu überdenken", sagte Hoeneß über die innerhalb weniger Tage völlig veränderte Situation. Von der neuen Lage könnten auch die Wechselgelüste des englischen Nationalspielers Owen Hargreaves betroffen sein. "Was im Sommer wird, muss man sehen", hatte Hoeneß noch vor kurzem einen Weggang des Engländers nach Saisonende nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Doch nach der Hiobsbotschaft am "schwarzen Dienstag" steht auch die Personalie Hargreaves, der zu gerne zu Manchester United gehen würde, in einem neuen Licht. (Michael Fox, dpa)

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