Sport : Deislers Lektion für Stoiber

Michael Rosentritt

gratuliert schon mal den Bayern und der Liga Edmund Stoiber hat die Bayern schon oft getäuscht. Nach der Bundestagswahl vor zwei Jahren verkündete der Kanzlerkandidat der Union: „Wir haben die Wahl gewonnen.“ Das war ja noch halbwegs lustig, was man von seinem ein Jahr später geäußerten Geistesblitz nicht sagen konnte. Da bezeichnete Stoiber den Fußballspieler Sebastian Deisler als „eines der größten Verlustgeschäfte, die der FC Bayern je gemacht hat“, und prophezeite, dass der an Depressionen leidende Deisler „nie mehr für Bayern spielt“.

Das war nicht nur geschmacklos, sondern auch noch falsch. In diesem Sommer hat Deisler seinen Verein zum ersten Titel (Ligapokal) und gestern zum ersten Bundesligasieg der neuen Saison geschossen. Von Deislers Mitwirken profitiert das ganze Spiel der Bayern, vor allem die beiden Kreativen Ballack und Zé Roberto. Weil Stoiber in Deislers Leben eine untergeordnete Rolle spielt, kann der Politiker sich nicht einmal anheften, den Fußballer mit seiner Kritik motiviert zu haben.

Deisler ist noch kein Anführer, er wird es vielleicht auch nicht werden. Er war, ist und wird nie das sein, was seine Mitspieler, Trainer, Manager oder Fans in ihm sehen wollen. Aber er hat Mut und Charakter bewiesen, als er mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen ist. Er hat einen Kampf gewonnen, den viele andere nicht führen müssen. Wenn sein Körper mitspielt, ist er Bayerns größter Garant auf den Gewinn der Meisterschaft. Es gibt viele Fußballer in diesem Land, die das Spiel lieben, aber nur einen, der es auch so beherrscht wie er. Darauf können sich die Bayern und die gesamte Liga verlassen.

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