Sport : Dejagah: Polizei und Rauswurf, dann Gelb-Rot

Ingo Schmidt-Tychsen

Stuttgart - Um 22 Uhr 13 ist es vorbei. Mit gesenktem Haupt trottet Ashkan Dejagah vom Rasen des Gottlieb-Daimler-Stadions. Einige Stuttgarter Zuschauer pfeifen, wie es nach einem Platzverweis für den Gegner üblich ist. Doch die meisten sehen nur still hinab auf den Rasen. Es könnte Mitleid sein; die Geschichte des 20 Jahre alten Deutsch-Iraners von Hertha BSC hat sich herumgesprochen. Zwischen 22.13 Uhr und 22.14 Uhr scheint die Zeit zu stehen in Stuttgart. Vielleicht hat Dejagah sie angehalten. An ihm sind die zurückliegenden neun Tage so schnell vorbeigezogen wie ein schlechter Film auf Vorspultaste.

Am Morgen des Mittwochs der Vorwoche war Dejagah noch ein talentierter Jung-Profi aus der Akademie des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Ein guter Spieler. Am Nachmittag wird bekannt, dass Dejagah am Saisonende zum VfL Wolfsburg wechselt. Ein Angebot der Berliner lehnt er ab. Die sind verärgert. „Das riecht“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Sechseinhalb Jahre lang wurde Dejagah bei Hertha ausgebildet, das hat viel Geld gekostet. Wolfsburg zahlt nichts. Dejagah wird suspendiert.

Am Montag dieser Woche kommt es noch heftiger. Zwei Polizisten holen ihn aus seiner Wohnung in Spandau ab, er verbringt die Nacht in der Gefangenen- Sammelstelle Tempelhof. Dejagah soll nach zwei Unfällen mit Blechschäden Fahrerflucht begangen haben, für den Gerichtstermin im Dezember hatte er nur mündlich abgesagt. Boulevardzeitungen titeln: „Dumm, dümmer, Dejagah.“ Hertha aber rehabilitiert Dejagah. Der Verein braucht den Mittelfeldspieler, weil andere verletzt sind.

Die beiden Gelben Karten und der daraus resultierende Platzverweis werden keine dramatischen Folgen für Dejagah haben. „Es gibt keinerlei Vorwürfe an ihn“, sagt Trainer Falko Götz. „Das waren zwei relative harmlose Fouls, dafür ist er schon hart bestraft.“ Für das Heimspiel gegen Bayern München in einer Woche ist Dejagah gesperrt. Im Pokalspiel gegen Stuttgart am Mittwoch wird er im Kader sein.

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