Dejagahs Länderspielabsage : Wenn Sport trennt

Ashkan Dejagah will nicht zu einem Spiel in Israel antreten, er nennt dafür keine sportlichen Gründe. Robert Ide über ein falsches Signal des Fußballspielers.

Robert Ide

Sport funktioniert inzwischen selten ohne Politik. Einen wirksamen Kampf gegen Doping bekommen die Sportverbände oft nicht mehr autonom zustande, auch die Organisation von Großereignissen wie Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen ist ohne staatliche Hilfe kaum mehr vorstellbar. In einem Punkt aber müssen Sport und Politik möglichst getrennt bleiben: im Falle der politischen Meinungsäußerung. Der deutsche Nachwuchsfußballspieler Ashkan Dejagah will nicht zu einem Spiel in Israel antreten, er nennt dafür keine sportlichen Gründe. Seine Eltern sind Iraner, und er möchte sich mit dem Land keine Probleme einhandeln - zumal iranische Staatsbürger (und ein solcher ist Dejagah auch) nicht in Israel einreisen sollen. Dennoch ist Dejagahs Verhalten ein falsches politisches Statement - ob er das beabsichtigt hat oder nicht.

Sport soll verbinden, nicht trennen. Nur so kann er manchmal etwas in einem guten Sinne bewirken: Frieden stiften. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking wollen Nord- und Südkorea mit einer gemeinsamen Mannschaft antreten, vor einigen Jahren schon spielten der Pakistani Aisam-Ul-Haq Qureshi und der Israeli Amir Hadad in Wimbledon ein jüdisch-muslimisches Tennisdoppel. Dejagah dagegen setzt ein Zeichen der Trennung. Seine abgesagte Reise mit dem deutschen U-21-Team nach Tel Aviv kann nur als Ablehnung des Staates Israel verstanden werden - und dürfte vom iranischen Regime als solche gefeiert werden. Mag sein, dass Dejagah meint, er müsse aus vorauseilendem Gehorsam oder aus Staatsräson so handeln. Und dennoch sendet er damit ein fatales politisches Signal. Als deutscher Nationalspieler. Und als Sportler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben