DEL-Halbfinale : Das Haus der Eisbären

Die Heimstärke der Eisbären ist womöglich der entscheidende Vorteil in den Play-offs. Am Sonntag treten die Berliner zum vierten Halbfinalspiel in Mannheim an und können mit einem dritten Sieg ins Endspiel einziehen.

Claus Vetter
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Sonntag wollen sie noch einmal feiern. Die Eisbären.Foto: dpa

Berlin - Rums. Colin Forbes rammte seinen Gegenspieler Florian Busch mit Wucht in die Bande. Der Berliner prallte unglücklich gegen die Bandenkante, blutete am Kopf und nun begann ein kleines Spektakel. Vorhang auf für Hartmut Nickel. 14 200 johlende Zuschauer in der Berliner Arena boten dem Kotrainer der Eisbären die Bühne für seinen großen Auftritt. Als die beiden Schiedsrichter noch zauderten und den Mannheimer Forbes mit gelinder Zeitstrafe davonkommen lassen wollten, rannte Nickel in die Berliner Kabine und brachte ein blutdurchtränktes Handtuch als Beweisstück der Härte von Forbes’ Attacke mit. Die Schiedsrichter waren beeindruckt und änderten ihr Urteil. Matchstrafe für Forbes, die Adler, die Bösewichte eines turbulenten Eishockeyabends am Freitag, hatten auch diese Episode verloren. 4:0 stand es am Ende für die Eisbären, die nach ihrem Erfolg im dritten Halbfinalspiel nun am Sonntag in Mannheim (14.30 Uhr, live auf Premiere) nur noch einen Sieg brauchen, um die Finalserie um die deutsche Meisterschaft zu erreichen.

Natürlich sah die Szene mit Busch nicht schön aus. Aber als Eishockeyspieler muss man hart im Nehmen sein. Mit sieben Stichen wurden die Busch’schen Wunden genäht, nach ein paar Minuten Pause hüpfte der Berliner Angreifer schon wieder quietschfidel über das Eis. Nach dem Spiel zeugte nur noch ein Pflaster auf seiner Nase von der Attacke. „Wir haben die Zweikämpfe angenommen“, sagte Busch. Und: „Der Heimvorteil macht in dieser Serie eben eine Menge aus.“

Der Heimvorteil – 4:0 haben die Berliner ihr erstes Heimspiel gewonnen, 1:6 ihr erstes Auswärtsspiel verloren und dann ihr zweites Heimspiel wieder 4:0 gewonnen. Das Privileg des Tabellenersten, der in Play-offs Heimvorteil hat, haben sich die Eisbären in 52 Hauptrundenspieltagen allerdings auch erkämpft. Und in den Play-offs spielen sie psychologisch geschickt mit ihrem Vorteil: Die Szene mit Nickel hätte vor 13 000 pfeifenden Zuschauern im Mannheim vermutlich die Schiedsrichter nicht derart beeindruckt wie in Berlin. Dort wären die Rollen anders verteilt gewesen, Forbes der Gute und Nickel der Bösewicht gewesen.

Auch Teal Fowler sieht die unterschiedlichen Resultate im Heimvorteil begründet. „Es ist eben schwer, in Berlin zu gewinnen“, sagte der Mannheimer Trainer. „Da bekommst du schnell mal eine 3:5-Unterzahl von den Schiedsrichtern aufgebrummt. Jeder weiß das.“

Fowlers Versuch, mit Verschwörungstheorien den Gegner nach dem Spiel noch in eine rhetorische Schlacht zu locken, schlugen aber fehl. Sein Berliner Kollege Don Jackson wollte zu den Schiedsrichtern gar nichts sagen. Auch die Berliner Spieler hielten sich diesmal vornehm zurück. Nach dem ersten Spiel hatte ihr Stürmer Sven Felski noch festgestellt, dass im Mannheimer Team „viele Patienten“ seien und Florian Busch geulkt, die Mannheimer Verteidiger hätten den Wendekreis „von Öltankern“. Freitag gab es keine Patienten oder Öltanker. „Wir konzentrieren uns jetzt nur auf das Spiel am Sonntag“, sagte Verteidiger Richie Regehr. „Wir wissen, dass es in Mannheim schwer wird.“

Es wird nur dann schwer für die Eisbären, wenn sich die Adler wieder aufs Eishockeyspielen verlegen, so wie bei ihrem 6:1-Erfolg am Dienstag. Da sich die Eisbären in Spiel drei der Best-of-five-Serie aber von der Mannheimer Härte unbeeindruckt zeigten, könnte der Mannschaft von Teal Fowler ein schwere Aufgabe bevorstehen. Der Mannheimer Trainer wusste dies schon am Freitagabend. Trotzig sagte er zum Abschied: „Wir sehen uns dann am Dienstag zum fünften Spiel in Berlin.“ Es ist durchaus möglich, dass es dieses Spiel noch gibt. Wobei auch dann die Bühne den Eisbären gehören würde – und diesen Vorteil haben sie ja in der Endrunde bisher genutzt und alle ihre vier Heimspiele in den Play-offs (zwei gegen Hamburg, zwei gegen Mannheim) gewonnen.

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