DEL-Halbfinale : Eisbären besiegen Adler 4:0

Im ersten Play-off-Halbfinalspiel stoßen die Eisbären Berlin auf wenig Gegenwehr. Sie schlagen Mannheim 4:0 und führen nun in der Best-of-five-Serie 1:0.

Katrin Schulze
Eishockey EHC Eisbären Berlin - Adler Mannheim
Einen hat er dann doch. Mannheims Torwart Brathwaite.Foto: dpa

Mangelndes Selbstbewusstsein lässt sich dem deutschen Eishockeymeister EHC Eisbären nicht unterstellen. Nicht weniger als „Play-offs wie noch nie“ hatten sie den Berlinern per Werbebotschaft versprochen. Auch vor der gestrigen Halbfinalpartie gegen die Adler Mannheim tauchte dieses Motto immer wieder in bunten Lettern auf der umlaufenden LED-Anzeige in der Arena am Ostbahnhof auf. Ein großes Versprechen. Offenbar aber nicht zu groß: Mit einem eindrucksvollen 4:0 (2:0, 2:0, 0:0) besiegten die Eisbären die Adler im ersten Spiel der „Best-of-five“-Serie und dürften damit noch ein wenig zuversichtlicher als ohnehin schon zur zweiten Begegnung am Dienstag nach Mannheim reisen.

Selbst der Hallensprecher ließ sich von der siegessicheren Attitüde der Eisbären beeindrucken und versprach den 14 100 Zuschauern in der Arena eine Halbfinalserie ohne Niederlage – wie schon im Viertelfinale gegen die Hamburg Freezers. Zunächst wirkte es allerdings nicht so, als könnten die Gastgeber ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden. Vielmehr präsentierten sie sich etwas unkonzentriert und ließen den Puck einige Male ungeachtet an sich vorbeitrudeln. Die „möglichen Anlaufschwierigkeiten“, vor denen Eisbären-Kapitän Steve Walker noch vor der Begegnung gegen Mannheim gewarnt hatte, verflogen aber schon nach den ersten zehn Spielminuten. Zwei Überzahlsituationen sollten den Berlinern danach zu mehr Spielfluss verhelfen.

Besonders im Powerplay überzeugen die Berliner

Überzahlsituationen? Genau das war es, was Jackson noch nach dem Viertelfinale bemängelt hatte. Offensichtlich nutzte der Berliner Trainer die letzte Woche aber zum intensiven Training in dieser Disziplin. Denn nachdem Andy Roach im Powerplay einen Nachschuss ins Tor gesetzt hatte, nahm auch André Rankel im ersten Abschnitt eine freundliche Einladung von Adler-Keeper Fredrick Brathwaite an und erhöhte unter den wohlwollenden Augen seines Coaches auf 2:0. „Unser Powerplay hat mir hervorragend gefallen“, sagte Don Jackson. „Es hat den Ausschlag im Spiel gegeben.“ So sah es aus. Zwar zeigten die Adler vor allem zu Beginn ein ebenso durchdachtes Überzahlspiel, jedoch scheiterten sie mit ihren Bemühungen immer wieder am souveränen Berliner Torhüter Rob Zepp, der laut Don Jackson „wie alle andere Mannschaftsteile eine überragende Leistung ablieferte“.

Zweifelten einige noch bei den engen Partien gegen Hamburg an der wahren Stärke der Berliner, so dürften sie spätestens seit gestern von ihren Play-off-Qualitäten überzeugt sein. Das muntere Toreschießen fand nämlich im Mitteldrittel ohne Nachlass seine Fortsetzung: Erst wurde Sven Felski nach einem Durcheinander vor dem Mannheimer Tor mithilfe des Videobeweises das 3:0 zugesprochen, dann durfte Deron Quint es seinem US-amerikanischen Abwehrkollegen Andy Roach nachmachen und zum 4:0 einschießen – natürlich wieder in Überzahl. Endlich trafen also auch die bisher eher enttäuschenden Offensivverteidiger für die Eisbären.

Die Eisbären-Fans feiern ihr Team schon als kommenden Meister

Es schien, als spielten die Berliner an diesem Sonntag einfach einen Tick zu perfekt für DEL-Rekordmeister Mannheim. „Überzahl, Unterzahl, das Teamwork: es hat alles funktioniert“, fand Angreifer Florian Busch. „Wir sind aber routiniert genug, deswegen jetzt nicht abzuheben.“ Bei den Anhängern sieht das naturgemäß anders aus. Euphorisiert vom überzeugenden Auftritt ihrer Mannschaft erreichten die Meisterschaftsgesänge auf den Rängen Rekordniveau – auch wenn die Mannschaft von Don Jackson das letzte Drittel vornehmlich zum Auslaufen und einem Leistungstest der hinteren Reihen nutzte. Die Eisbären konnten sich dieses Schaulaufen unter Wettbewerbsbedingungen leisten. Denn viel selbstbewusster als der EHC Eisbären kann man ein Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft kaum angehen.

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