DEL-Play-offs 2003 : Eisbären schlittern in den Urlaub

Die Berliner verlieren 1:4 in Krefeld und scheiden im Halbfinale aus

Claus Vetter

Krefeld. Als am Sonntagnachmittag um 16.41 Uhr in der Krefelder Rheinlandhalle die Schlusssirene erklang, war die Saison für die Berliner Eisbären beendet. Und nur wenige Minuten später war der Trainer des lange in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) als Favorit auf den Titel gehandelte Klub aus Berlin auch schon verschwunden. Schon am Händeschütteln mit den siegreichen Spielern der Krefeld Pinguine wollte Pierre Pagé nicht teilnehmen, auch auf der Pressekonferenz nach dem vierten Halbfinalspiel der nach dem Modus „Best of five“ gespielten Serie zwischen Eisbären und Krefeld wurde der Kanadier nicht gesichtet. Das wirkte ähnlich unprofessionell wie zuvor die Vorstellung seiner Spieler bei der 1:4 (0:1, 1:3, 0:0)- Niederlage. Krefeld gewann die Serie mit 3:1 und trifft nun im Finale um die deutsche Meisterschaft auf die Kölner Haie.

Manager Peter John Lee musste in Abwesenheit seines Trainers nach dem Debakel der Eisbären versuchen, das unschöne Bild vom beleidigten Verlierer zu kaschieren. Diese undankbare Aufgabe erledigte Lee professionell. „Wir haben in der Serie gegen Krefeld nur in zwei von vier Spielen gekämpft, wie man in den Play-offs kämpfen muss“, sagte Lee. „Unser letztes Spiel fiel nicht in die kämpferische Kategorie. Das Ding haben wir schon im Kopf verloren.“ Mimik und Gestik des Berliner Personals zeugten von Anfang an nicht von Entschlossenheit, die Köpfe der meisten Spieler waren gesenkt. Als es dann losging, wurde es auch ganz schnell schön bunt vor dem Berliner Tor. Schon nach 39 Sekunden gelang Shuchuk das 1:0. Eisbären-Verteidiger Ricard Persson hatte mit einem Fehler den Krefelder Konter eingeleitet.

Richard Shulmistra war in der Folgezeit der Berliner Alleinunterhalter. Der Kanadier im Tor der Eisbären musste bei den unzähligen Kontern der Krefelder sogar eine Art Libero geben, denn von seinen Abwehrspielern war häufig nichts zu sehen. Mit abenteuerlichem Glück und einem herausragenden Shulmistra konnten die Berliner das 0:1 in die erste Pause retten. Danach allerdings schraubten die Krefelder das Resultat in angemessene Sphären: Zweimal traf Augusta und einmal Brandner. Nach dem 4:0 für die Pinguine erlöste Trainer Pagé den allzu oft allein gelassenen Shulmistra und schickte für ihn Oliver Jonas aufs Eis. Das erste und einzige Berliner Tor an diesem Nachmittag, erzielt von Corriveau kurz vor der Schlusssirene des zweiten Drittels, störte in der Rheinlandhalle niemanden mehr.

Mancher Berliner hatte Tränen in den Augen. „Wir haben uns nicht als Mannschaft präsentiert“, sagte Kapitän John Gruden. „Und dafür bin ich als Kapitän mitverantwortlich.“ Shulmistra nahm der Amerikaner allerdings von seiner Kritik aus, denn der Torwart hatte als einziger bei den Eisbären eine tadellose Leistung gezeigt. „Ich habe versucht, meinem Team eine Siegchance zu geben“, sagte Shulmistra. „Mehr kann ich als Torhüter nicht machen. Die Krefelder haben uns mit altmodischem Eishockey niedergekämpft. Schuss, Nachschuss und Tor.“

Für die Eisbären reichte das konservative Krefelder Spiel aber, um eine Anfang doch so erfolgreiche Saison mit einem noch vor Wochenfrist kaum für möglich gehaltenen Negativerlebnis zu beenden. Zumindest können sich die Berliner damit trösten, dass sie auf hohem Niveau leiden dürfen: Das Halbfinale hatten die Eisbären nämlich seit 1999 nicht mehr erreicht. Allerdings tröstet das natürlich nur wenig, wenn man wie Trainer Pierre Pagé von der Meisterschaft geträumt und geredet hat.

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