DEL-Play-offs : Deutsche Torhüter im Kommen

In den Play-offs dominieren bislang deutsche Torhüter. Vor ein paar Jahren war daran im deutschen Eishockey nicht zu denken.

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Held aus Hohenschönhausen. Dank Daniar Dshunussow kam Wolfsburg ins Halbfinale.
Held aus Hohenschönhausen. Dank Daniar Dshunussow kam Wolfsburg ins Halbfinale.Foto: dpa

Berlin - Die Torhüterposition im Eishockey zu besetzen, das war früher kein Problem für einen Bundestrainer. Als die Nationalmannschaft in den Achtziger- und Neunzigerjahren oft ganz passabel spielte, gab es dort gute Leute wie Karl Friesen, Helmut de Raaf oder Joseph „Peppi“ Heiss: Doch als dann die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) wegen des Bosman-Urteils die Ausländerbeschränkungen lockerte, wurden gute deutsche Torhüter zum Mangel. Es gab Zeiten, da gab es nicht einen deutschen Stammtorhüter in der DEL. 2001 bei der Weltmeisterschaft in Deutschland trat Bundestrainer Hans Zach mit zwei Männern im Tor an, die in ihren Klubs nur Ersatz waren: Robert Müller und Christian Künast. Zach regte damals an, die Position des Keepers in der DEL prinzipiell nur an deutsche Torhüter zu vergeben. „Sonst entwickelt sich da gar nichts mehr“, sagte Zach.

Zwölf Jahre später hat sich viel entwickelt, von den bislang in Pre-Play-offs und laufenden Play-offs der DEL eingesetzten 13 Torhütern haben neun das Eishockeyspielen in Deutschland gelernt. Und mit dem Kölner Danny Aus den Birken führte am Freitag vor dem zweiten Spieltag im Halbfinale ein Deutscher die Torhüterstatistik an – mit einer Fangquote von fast 95 Prozent. Zweitbester in dieser Wertung war vor dem Spiel der Wolfsburger gegen Köln Daniar Dshunussow, ein gebürtiger Berliner.

Die Entwicklung ist auch das Resultat leichter Zwänge. Zwar kam es nicht so drastisch, wie Zach es wollte. Aber aufgrund der wiedereingeführten Ausländerbeschränkung in der DEL dürfen die Teams inzwischen nur neun ausländische Profis unter den maximal 21 Profis auf dem Spielberichtsbogen haben. Viele Klubs haben daher seit Jahren zumindest die Position des zweiten Torhüters mit einem Deutschen besetzt. So war es auch bei Aus den Birken. In Mannheim jahrelang nur Ersatz, hatte Aus den Birken seinen Durchbruch in Iserlohn. Als die Haie 2009 ein Torwartproblem hatten, nutzte er seine Chance. In Köln ist er unumstrittene Nummer eins vor dem ehemaligen Berliner Youri Ziffzer. Ähnlich gut wie für den 28 Jahre alten Kölner läuft es für Dshunussow. In Berlin bei den Eisbären hatte er einst keine Lobby, in Wolfsburg hat er sich über die Jahre seinen Status als Nummer eins erarbeitet und hatte zuletzt großen Anteil am überraschenden Erfolg des Hauptrundenzehnten im Viertelfinale gegen Mannheim.

Nicht alle der besten deutschen Torhüter spielen allerdings in der DEL. Das gab es auch schon 2001, damals galt Olaf Kölzig als einer der stärksten Torhüter in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Allerdings hatte Kölzig seine Ausbildung nicht in Deutschland genossen. Dafür betreut er jetzt als Torwarttrainer der Washington Capitals den gebürtigen Rosenheimer Philipp Grubauer, der in dieser Saison schon zu zwei Einsätzen in der NHL kam. Stärkster deutscher Torwart in der Liga ist allerdings immer noch Thomas Greiss von den San Jose Sharks.

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