DEL-Play-offs : Ein doppelt wertvoller Sieg für die Eisbären

Weil die Eisbären das erste Finalspiel der Play-offs gegen die DEG nur mühevoll gewinnen, sind sie nun vor dem zweiten Spiel am Sonnabend in Düsseldorf gewarnt.

Claus Vetter
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Früher Jubel. Nach dem 2:0 durch Robinson (l.) wurde es für die Eisbären schwer.Foto: dpa

Finalstimmung bei den Eisbären? Irgendwie noch nicht. Dazu war der Donnerstagabend schon rund um die Arena am Ostbahnhof zu unaufgeregt. Die Schwarzmarkthändler langweilten sich im Sonnenschein, Tickets für das erste Endspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft gab es zu erstaunlich moderaten Preisen. Die große Feier, die haben die Eisbären und ihre Fans eben erst für den Montag geplant. Dann könnten die Berliner mit einem dritten Sieg im dritten Spiel gegen die Düsseldorfer EG die Finalserie zu ihren Gunsten beendet haben. Alles was davor passiert, scheint für den erfolgsgewohnten Klub eher lästiges Vorgeplänkel zu sein. Den Eindruck vermittelte das erste Finalspiel in Berlin; die Eisbären gewannen es in unspektakulärer Manier 3:2.

Nach dem ersten von drei nötigen Siegen waren die Sieger nicht eben euphorisch. Ihr Trainer Don Jackson sagte sogar: „Meine Spieler haben Düsseldorf wohl ein wenig unterschätzt.“ Nur für das erste Drittel traf das nicht zu. Da hatte die DEG versucht, munter mit den läuferisch stärkeren Berlinern mitzuspielen. Resultat war eine 2:0-Führung der Eisbären nach Toren von Stefan Ustorf und Nathan Robinson. Somit schien alles gerichtet zu sein, wie immer also würden die Eisbären einen überforderten Gegner in Bausch und Bogen aus der Halle schießen. Selbstverständlich feierten die Berliner Fans in der mit 14 200 Zuschauern ausverkauften Arena schon mal den alten und kommenden Meister – allerdings dann doch wohl mindestens acht Drittel zu früh.

Unaufgeregt und locker

Denn ab dem Mittelabschnitt machten die Düsseldorfer das, was sie am besten können: solide verteidigen, auf Überzahlchancen und Fehler des Gegners warten. Den ersten Patzer leistete sich Berlins Torwart Rob Zepp. Er ließ einen harmlosen Schuss von Adam Courchaine durchrutschen. Danach legten die Eisbären noch einmal kurz zu, und Richie Regehr traf im Powerplay zum 3:1. Dann legten die Eisbären nicht mehr zu. Düsseldorf verkürzte Mitte des Spiels durch Shane Joseph auf 2:3, und nun schluderten die Eisbären das Ergebnis über die Runden – auch eine Qualität, mit der die DEG nicht klar kam.

Die finale Belanglosigkeit setzte sich nach dem Spiel fort. Das Stadion war nach dem Berliner Pflichtsieg in wenigen Minuten leer, und vor der Kabine der Eisbären plauderten die Spieler des Siegers unaufgeregt über den ersten Etappensieg. „Es war schon anstrengend, weil wir viel laufen mussten“, sagte Frank Hördler. Der Berliner Verteidiger garnierte seine Aussage mit einem Schulterzucken. Übersetzt hieß das so viel wie: Was soll’s, es hat ja gereicht. Hördlers Kollege Stefan Ustorf, im Spiel mit Abstand der agilste Berliner, sagte derweil: „Die Düsseldorfer haben uns viel abverlangt, ich erwarte auch für den Rest der Serie enge Spiele.“

Taktisches Geplänkel beim Gegner

Dass aber dann doch noch rhetorischer Schwung in das Ganze kam, dafür war Harold Kreis verantwortlich. Düsseldorfs Trainer behauptete, dass er „stolz“ auf seine Mannschaft sei. Stolz verloren, das ist doch auch schon etwas gegen die Eisbären? Natürlich nicht. Kreis ist Taktiker. Denn die einzige Chance, die Düsseldorf bleibt, ist die, dass sich die Berliner ihrer Überlegenheit zu sehr bewusst sind. Kreis weiß das und lobte die Berliner daher übermäßig. Die hätten eine „unglaubliche Erfahrung“, ein „unglaubliches Tempo“ im Spiel und überhaupt, alles „unglaublich“ gut bei den Eisbären. So unglaublich gut war es dann aber doch nicht bei den Eisbären am Donnerstag. Insofern ist das knappe Resultat für das zweite Spiel heute in Düsseldorf (Beginn 17.30 Uhr, live auf Premiere) psychologisch wertvoll für die Berliner.

Hätten sie in Teil eins der Serie zu deutlich gesiegt, wären sie nicht gewarnt gewesen. So aber, sagt ihr Trainer Jackson, „wissen wir, dass wir uns anstrengen müssen, wenn wir in Düsseldorf gewinnen wollen“. Sollten die Eisbären das schaffen, dann wird es auch für die Kartenverkäufer vor der Halle am Montag nicht langweilig, denn dann würde es das Finale. Und für dieses Spiel werden schon jetzt bei einem Internet-Auktionshaus dreistellige Summen geboten.

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