DEL Play-offs : Wie in einem schlechten Film

Die Eisbären Berlin unterliegen Augsburg 3:5. Dem Deutschen Meister droht nun in der nächsten Play-off-Partie am Montag das Aus im Viertelfinale.

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Wieder reingelegt. Die Eisbären kassieren das 0:3 durch Augsburgs Brett Engelhardt.

Wie in einem schlechten Film müssen sich die Eisbären Berlin vorgekommen sein. Da spielten sie die Konkurrenz in der Deutschen Eishockey-Liga monatelang schwindelig und nun schlitterten sie in ihrer bislang wichtigsten Saisonbegegnung wie paralysiert übers Eis. Ungewohnte Unzulänglichkeiten bestimmten ihr Spiel zur quasi besten Sendezeit am Samstagabend. Als es plötzlich 0:4 stand, herrschte in der mit 14 200 Zuschauern gefüllten Berliner Großarena eisige Ruhe. Entsetzten machte sich breit. Am Ende verloren die Berliner ihr drittes Viertelfinalspiel gegen die Augsburger Panther 3:5 (0:0, 0:4, 3:1). Dem Deutschen Meister droht nun gar das vorzeitige Aus: Nur wenn die Eisbären am Montag die Partie in Augsburg gewinnen, wahren sie die Chance auf den Einzug ins Play-off-Halbfinale.

Die Vorteile liegen nach der 2:1-Führung in der Best-of-five-Serie jetzt aufseiten der Panther – zumal die Berliner in der laufenden Spielzeit keines ihrer Spiele in Augsburg gewinnen konnten. Auch das Publikum spürte, dass es gestern womöglich das letzte Heimspiel der Saison zu sehen bekam. Zwischenzeitlich ging es beinahe gespenstisch zu. Nur eine wilde Meute von etwa 500 mitgereisten Anhängern der Panther kriegte sich auf dem Oberrang kaum noch ein und entledigte sich schnell der Oberbekleidung. In Feierlaune sind sie seit Beginn der Endrunde ja in Augsburg. Um der Euphorie nach dem überraschenden Sieg gegen den Deutschen Meister am Donnerstag gerecht zu werden, wurde eigens eine Public-Viewing-Veranstaltung organisiert. Die Zuschauer im Curt-Frenzel-Stadion am Samstag sahen, dass ihre Mannschaft engagiert war und sich von Beginn an die besseren Möglichkeiten erarbeitete.

Hatten sich die Eisbären von den zuletzt starken Auftritten dieser Augsburger verrückt machen lassen? Es sah danach aus, denn sie haderten mit den Entscheidungen der Schiedsrichter, spielten schlampige Pässe und zögerten ein ums andere Mal viel zu lange. Im Mittelabschnitt kam es richtig böse für sie: Hatten viele Zuschauer den 0:1-Rückstand der Gastgeber, den ihnen Jeff Likens beschert hatte, noch als Ausrutscher betrachtet, so verstummten sie nach dem 0:2 durch Chris Collins. Und als die Schiedsrichter, die diesem Zwischenstand wohl ebenso wenig trauten, für das dritte Augsburger Tor den Videobeweis bemühten, erklang zur Aufmunterung aller die Eisbären-Hymne der Puhdys – mitten im Spiel wohlgemerkt.

Doch auch das half nicht mehr. Der Treffer, der eigentlich ein Eigentor des Berliner Verteidigers Andy Roach war, wurde Augsburgs Stürmer Brett Engelhardt gutgeschrieben. Kurz danach erhöhte Engelhardt sogar auf 4:0. „Das war ein Gefühl, das wir nicht kannten“, sagte Roach, der nach der Partie immer noch aufgelöst daherkam - nervös schüttelte er seine Trinkflasche. Ähnlich erging es den Fans der Eisbären. „Wir wollen die Eisbären sehen“, brüllten die Berliner nun durchs weite Rund. In der Tat hatte das, was da auf dem Eis dargeboten wurde, nicht viel mit den erfolgreichen Eisbären der zurückliegenden Jahre zu tun. Und erst recht nichts mit der dominanten Mannschaft aus der Hauptrunde dieser Spielzeit. „ So etwas ist uns in den vergangenen drei Jahren in den Play-offs nicht passiert“, sagte Trainer Don Jackson. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen jetzt alles geben.“

Mit Beginn des Schlussdrittels begann Jacksons Mannschaft, gegen ihr eigenes Trauma anzuspielen. Zunächst schloss Jens Baxmann ein schönes Solo von Alexander Weiß zum 1:4 ab, und nur 22 Sekunden später traf Denis Pederson. Die Aufholjagd kam allerdings zu spät – auch weil bei Derrick Walser für einen Moment der Schlendrian zurückkehrte: Seinen Fehler nutzte T.J. Kemp aus. Dass Florian Busch kurz vor Schluss noch ein Tor für die Eisbären schoss, könnte sich in psychologischer Hinsicht noch positiv auswirken. „Das letzte Drittel war eine Trotzreaktion“, sagte Roach. „Es macht uns Mut für das nächste Spiel.“ Und den brauchen die Eisbären am Montag dringend.

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