DEL-Spitzenspiel : Berlin stürmt, Hannover macht die Tore

Die Berliner Eisbären verlieren im Spitzenspiel der DEL gegen den Tabellenführer Hannover Scorpions nach 2:1-Führung noch 2:5. Damit haben die Berliner ihre Chance vertan, den Vorsprung des Spitzenreiters zu verkürzen.

Katrin Schulze
Harald Ottke
Harter Fight. Rankel und Hannovers Torwart Jung.Foto: Ottke

Don Jackson hatte gestern eine Sorge weniger. Noch vor den vorangegangenen Begegnungen seiner Eisbären hatte er den mangelnden Respekt seiner Mannschaft vor Teams aus unteren Gefilden der Tabelle bemängelt. Zu schlampig würden seine Profis zu Werke gehen, weil sie sich nicht immer hundertprozentig motivieren könnten, sagte ihr Trainer. Am gestrigen Nachmittag musste sich Jackson keine zusätzlichen Motivationstricks für seine Spieler ausdenken. Zu gut las sich die Erfolgsbilanz des Gegners. Doch trotz einer gesunden Einstellung schafften es die Eisbären nicht, gegen den Spitzenreiter der Deutschen Eishockey-Liga zu gewinnen. Beim 2:5 (2:1, 0:2, 0:2) spielten die Hannover Scorpions schlicht cleverer als die Berliner.

Hannovers Trainer Hans Zach sieht die Ursache für den Lauf seiner Mannschaft, die 20 der letzten 25 Partien für sich entscheiden konnte, in dem Selbstbewusstsein und den wenigen Verletzungen. Auch gestern lief Zachs Team wieder vollzählig auf. Und obwohl die Berliner im Gegensatz zu den Gästen deutlich minimiert in die Partie gingen, weil ihnen weiterhin Brandon Smith (Schulterverletzung), Matt McIlvane (Kreuzbandriss) und René Kramer (Schulterverletzung) fehlten und Daniel Weiß zudem bei der U-20-Weltmeisterschaft in Ottawa spielt, stimmten die Voraussetzungen für ein echtes Spitzenspiel.

14 200 Zuschauer, darunter 500 mitgereiste Anhänger der Gäste, fanden den Weg in die ausverkaufte Halle und wurden dann auch zeitig für den Erwerb einer Eintrittskarte belohnt – gerade 80 Sekunden brauchte Florian Busch, ehe er Alexander Jung im Scorpions-Tor mit einem trockenen Schuss überwinden konnte und die Eisbären zu einer engagierten Spielweise ermunterte. Erst in der 18. Minute wurde der erfrischende Start der Berliner gestoppt, als Hannovers Rainer Köttstorfer einen Fehler von Stefan Ustorf eher unvermittelt zum Ausglich nutzte. Seinem Fauxpas ließ der Berliner Stürmer zur Erheiterung des Publikums danach noch eine kleine Kampfeinlage mit den Torschützen folgen.

Doch kaum hatte der Schiedsrichter die Streitparteien voneinander gelöst, durften die Anhänger der Eisbären auch schon wieder jubeln – diesmal aber aus rein sportlichen Gründen. Denn nur 18 Sekunden nach dem Ausgleich schoss Andy Roach sein Team aus der Distanz wieder in Führung. Dass Hannovers Torhüter dabei keinen besonders glücklichen Eindruck hinterließ, quittierte sein Trainer Hans Zach mit seiner Auswechslung. Das sollte sich lohnen: Mit Dimitri Pätzold kehrte die anfangs vermisste Souveränität der Niedersachsen zurück. Nachdem der Nationaltorwart im Mitteldrittel mehrere gute Gelegenheiten der Eisbären pariert hatte, traf Sascha Goc gleich zweimal. „Es ist frustrierend, gegen Goc zu spielen, weil er fast immer trifft“, sagte Eisbären-Kapitän Steve Walker.

Während sich die Eisbären durch die Torgefährlichkeit von Hannovers Verteidiger sichtlich verunsichern ließen, führten die Scorpions im letzten Abschnitt den Zuschauern ihr Verständnis von Eishockey vor: Sie stellten die von ihrem Trainer Hans Zach nahezu in Perfektion einstudierte Disziplin vor dem eigenen Tor unter Beweis. Mehr noch: Als Rob Zepp das Tor der Eisbären für einen weiteren Feldspieler verließ, hatten die Gäste kurz vor Schluss wenig Mühe, den Puck ins verwaiste Gehäuse zu befördern. Der Torschütze? Natürlich Goc. Dass die Scorpions durch einen Treffer von Eric Schneider ins leere Berliner Tor sogar noch auf 5:2 erhöhten, steigerte die Laune von Don Jackson nicht unbedingt. „Das war zu viel“, sagte der Trainer der Eisbären. „Wir sind derzeit eben nicht das beste Team der Liga.“

In der Tat schmückt sich zurzeit der gestrige Gegner der Eisbären mit diesem Titel – neun Punkte Vorsprung hat Hannover nun schon vor den jetzt nur noch drittplatzierten Berlinern. So wird es für die Eisbären schwierig, die von ihrem Trainer ausgegebene Maßgabe noch umzusetzen, nach der Vorrunde auf Rang eins zu stehen. Und auch die Sorgenfalten von Don Jackson nahmen nach der Partie wieder deutlichere Konturen an.

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