DEL : Von der Harmonie danach

Die Eisbären unterliegen Frankfurt im Spitzenspiel 4:5 nach Verlängerung und verlieren die Tabellenspitze in der DEL. Immerhin verläuft das anschließende Gespräch zwischen beiden Trainern harmonisch.

Claus Vetter

Berlin – Don Jackson und Rich Chernomaz hatten sich viel zu erzählen. Lange saßen der US-Amerikaner und der Kanadier gestern in einem Containerraum im Sportforum Hohenschönhausen zusammen und tauschten sich über Teams in der Deutschen Eishockey-Liga aus. Ein Stichwort des einen Trainers reichte, und der andere wusste Bescheid. „Krefeld“, sagte Eisbären-Coach Jackson. Sein Frankfurter Kollege antwortete: „Oh ja, die sind ein garstiger Gegner. Iserlohn?“ Jackson: „Eine schnelle Mannschaft, da haben wir erst Dienstag 0:3 verloren.“ Harmonisch war das Gespräch der Trainer nach einem unharmonischen Spiel, das für die Eisbären ein Ende mit Schrecken genommen hatte. 63 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung hatte Ilja Worobjew das Siegtor zum 5:4 für die Lions erzielt – nach einem Patzer von Berlins Torwart Rob Zepp.

Das 4:5 (0:1, 2:1, 2:2/0:1) war für die Eisbären die siebte Niederlage im Januar, sie bedeutete zugleich die Abgabe der Tabellenführung an die Nürnberg Ice Tigers, die Krefeld 3:1 besiegten. In den vier Monaten zuvor hatten die Eisbären insgesamt nur acht Mal verloren. Angesichts der Misere war Jackson vor seiner Plauderei mit Chernomaz nicht guter Dinge. Man müsse sich über den Charakter einiger Spieler Gedanken machen, hatte Jackson geschimpft: „Es war kein Spaß für mich zu sehen, dass uns Frankfurt am Ende überlegen war.“ Schlecht gelaunt kommentierte der Coach auch die Schlussphase der 60 Spielminuten. 5:3-Überzahl und kein Tor - was lief da schief bei seinem Team? „Der Puck ging nicht ins Tor.“ Dabei hatten sich die Eisbären nach einem 0:2-Rückstand vor 5000 Zuschauern im zweiten Drittel nach Toren von Tyson Mulock und Stefan Ustorf herangekämpft und endlich vernünftiges schnelles Eishockey gespielt. Frankfurts erneute Führung durch Jay Henderson und ein rüder Bandencheck von Michael Bresagk gegen Alexander Weiß – der Berliner schied mit Verdacht auf Gehirnerschütterung aus – irritierten die Eisbären nicht. Felski traf zum 3:3, Mulock zum 4:3. Zum Sieg gegen die oft auf der Strafbank sitzenden Hessen reichte das aber nicht, weil Worobjew nach einem Konter zum 4:4 für Frankfurt ausglich und in der Verlängerung dann mit seinem Tor alles entschied.

Ein Spiel haben die Eisbären noch vor der Länderspielpause in der DEL. Dann können sie hoffen, dass die lange verletzten Stürmer Denis Pederson und André Rankel ihnen mit ihren Comebacks aus ihrem Tief helfen. Manager Peter John Lee sagt: „Denis und André sind die Kämpfertypen, die wir brauchen, um da herauszukommen.“ Am Dienstag geht es für die Berliner erst einmal nach Krefeld. Ohne die „Kämpfertypen“, aber mit vielleicht nützlichem Wissen: Schließlich hat sich Jackson ja beim Kollegen Chernomaz nach den Stärken der Pinguine erkundigt.

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