• Dem Fia-Delegierten Jo Bauer kommt das Verhalten im italienischen Rennstall Spanisch vor

Sport : Dem Fia-Delegierten Jo Bauer kommt das Verhalten im italienischen Rennstall Spanisch vor

Jo Bauer, der Technische Delegierte des Automobil-Weltverbandes Fia, hat Hintergründe über die Untersuchung der Ferrari von Eddie Irvine und Michael Schumacher preisgegeben, die am Sonntag zur Disqualifikation beim Formel-1-Rennen in Malaysia geführt hatten. "Ich habe ja schon öfter beobachtet: Bei Ferrari gab es immer einen Wettlauf, ob sie schneller das Auto abdecken oder die Dinger in die Garage kriegen. Da handelt es sich um das bestgehütete Geheimnis der Formel 1. Da dachte ich mir, da musst du dich mal drum kümmern", erklärte Bauer in einem Interview der "Münchner Abendzeitung".

Der Ingenieur räumte allerdings auch ein, noch weitere Hinweise bekommen zu haben: "Es wurden aber auch von anderer Seite entsprechende Andeutungen gemacht. Es ist ja so in der Formel 1: Jeder kontrolliert jeden. Man wird nicht direkt angesprochen, aber wenn man durch das Fahrerlager läuft, dann fallen Bemerkungen, und die greift man dann zu einem späteren Zeitpunkt auf."

Zuletzt hatte es Meldungen unter anderem des Fachmagazins "auto, motor und sport" gegeben, dass ein gezielter Tipp des Konkurrenten McLaren-Mercedes zur Auf deckung des "Falles Ferrari" geführt habe. Mercedes-Sportchef Norbert Haug hatte dies zurückgewiesen. "Es gab keinen Protest von uns", sagte Haug. "Es wird niemandem gelingen, uns den schwarzen Peter zuzuschieben."

Bauer erläuterte auch, warum die Ferraris nicht bereits beim vorangegangenen Rennen auf dem Nürburgring, wo sie laut Aussage des Teams bereits mit den jetzt beanstandeten seitlichen Windabweisern ausgerüstet waren, aufgefallen sind. "Die Autos werden nicht gezielt, sondern nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Als Normalverbraucher wird man auch nicht jedes Mal erwischt, wenn man bei Rot über die Ampel fährt", sagte Bauer, der in Malaysia bereits in den Tagen vor dem Rennen versuchte hatte, die Ferrari zu inspizieren. Im Qualifikationstraining waren die Ferrari aber schon weg, als wir kontrollieren wollten. Am Sonntag stellten wir dann fest: Zehn Millimeter Überstand der Deflektoren an jeder Seite."

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat indes die Disqualifikation der beiden Ferrari nach dem Rennen in Malaysia als unsinnig bezeichnet und dem Weltverband Fia nahe gelegt, seine Regeln zu lockern. "Ich habe schon seit Jahren gesagt, dass die Regeln und Vorschriften in der Formel 1 zu streng sind. Das ist schlecht für den Sport. Die Zuschauer wollen ein großes Finale in einer großen Meisterschaft sehen", sagte Ecclestone der Londoner "Times". "Es wäre eine Schande, wenn die WM von irgendjemandem entschieden werden könnte, der in der Fabrik einen Fehler gemacht hat." Währenddessen hat Ferrari durch Tests im Windkanal nach eigener Darstellung den Beweis erbracht, dass die beanstandeten Windabweiser keinen Vorteil erbracht hätten. Unter den Experten sind die Meinungen aber gespalten. Für Patrick Head, Technik-Chef des Williams-Teams, ist die Strafe gegen Ferrari zu hart. "Solche Teile entstehen in Handarbeit, da kann es schon mal einen Fehler geben", meinte Head. Dagegen wäre für Klaus Ludwig, dreimaliger Le-Mans-Sieger und GT-Weltmeister 1998, eine Rücknahme der Disqualifikation "eine Katastrophe für den Motorsport". "Dann würde dem Betrug Tür und Tor geöffnet", sagte er. Ludwig kann wie auch Ex-Formel-1-Fahrer Jochen Mass die Aussagen von Ferrari nicht nachvollziehen, die abweichenden Windabweiser hätten keinen großen Vorteil gebracht. "Ein Formel-1-Auto ist ein so komplexes Gebilde, dass schon Flügelverstellungen von einem oder Höhenänderungen von einem halben Millimeter gigantische Unterschiede machen können. Beim meinem GT-Auto veränderten fünf Millimeter Unterschied in der Bodenfreiheit das Fahrverhalten um Welten. Zehn Millimeter liegen so weit außerhalb der Norm, da kann es keine andere Entscheidung geben", so Ludwig.

Dem Ferrari-Team war am vorigen Sonntag der Doppelsieg von Eddie Irvine und Michael Schumacher in Malaysia aberkannt worden, weil die seitlichen Windabweiser an den Rennwagen zehn Millimeter von der Karosserie abstanden. Am kommenden Freitag entscheidet das Berufungsgericht der Fia in Paris über den Einspruch der Italiener gegen diese Entscheidung, durch die Silberpfeil-Pilot Mika Häkkinen sowie sein McLaren-Mercedes-Team derzeit als Fahrer- und Konstrukteursweltmeister feststehen.

Damit wäre, zum Leidwesen von Ecclestone, das letzte Saisonrennen in Japan (31. Oktober) nur noch ein "Schaulaufen". Würde die Entscheidung zurück genommen, ginge Irvine mit vier Punkten Vorsprung auf Häkkinen nach Suzuka, wo es zum großen Finale zwischen beiden Piloten käme.

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