Sport : Dem Hass eine Bühne

Die Erzfeinde Griechenland und Albanien treffen in der WM-Qualifikation heute aufeinander – und fürchten Gewaltausbrüche nach dem Spiel

Torsten Haselbauer[Athen]

Am besten wäre es, das WM-Qualifikationsspiel Griechenland gegen Albanien in Deutschland auszutragen. Je näher der Anpfiff zu diesem brisanten Spiel heute Abend in Piräus rückt, umso öfter ist diese Meinung in Athen zu hören – auch wegen einer kaum zu übersehenen „deutschen Komponente“. Beide Mannschaften haben deutsche Trainer. Bei Europameister Griechenland sitzt Otto Rehhagel auf der Bank. Der Außenseiter Albanien wird von Hans-Peter Briegel trainiert. Dass sich die beiden aus ihrer gemeinsamen Zeit beim 1. FC Kaiserslautern 1996/1997 nicht sonderlich mögen, ist eine weitere deutsche Facette in diesem Qualifikationsspiel.

Sowohl Rehhagel als auch Briegel wissen um die besondere Bedeutung dieser mehr als nur fußballerischen Auseinandersetzung. Sie vermieden es deshalb, vor diesem Spiel weitere Emotionen zu schüren. Zu dem nun auch von der griechischen Presse entdeckten persönlichen Konflikt der deutschen Fußballlehrer untereinander wollten sie sich vor dem Spiel nicht äußern. „Kein Kommentar dazu“, sagte Rehhagel beim Training am Montagabend. Das Trainerduo konzentriert sich auf das Sportliche. Der Essener Rehhagel möchte mit dem vierten Sieg in Folge in der WM-Qualifikation dem Tabellenführer Ukraine weiter eng auf den Fersen bleiben. Der Pfälzer Briegel sieht nach der 0:2-Niederlage am Samstag in der Türkei keine Chance mehr. „Wir wollen hier gut aussehen. Die Stimmung in Piräus macht uns keine Angst“, erklärte er gestern in Athen. Dass der albanische Fußballverband eine eigene und besonders hohe Siegprämie für das heutige Spiel ausgelobt habe, ist nicht offiziell bestätigt. Es gilt aber, wie im Hinspiel auch, als wahrscheinlich.

Noch in bleibender Erinnerung sind nicht nur Rehhagel und Briegel die Szenen, die sich im vergangenen Spätsommer abspielten. Griechenland verlor sein erstes und bisher einziges WM-Qualifikationsspiel nach dem Gewinn der EM am 4. September 2004 1:2. Und das ausgerechnet beim Erzfeind in Tirana. Immerfort provozierten dort im Stadion die albanischen Zuschauer mit Gebietsansprüchen gegenüber dem Nordteil Griechenlands. Als dann nicht wenige der fast auf eine Million geschätzten nach Griechenland ausgewanderten Albaner auf dem Athener Omonia-Platz („Platz der Einheit“) den überraschenden Erfolg ihres Teams feiern wollten, kam es zu schweren Ausschreitungen. Angeblich um die Albaner vor rechtsradikalen griechischen Fangruppen zu schützen, schlug die Athener Polizei die Versammlungen der Albaner im Zentrum Athens nieder.

Auf der westgriechischen Insel Zakynthos wurde in der Septembernacht ein Albaner von einem Exilgriechen niedergestochen. Das verursachte eine handfeste diplomatische Krise zwischen den beiden Ländern. Die albanische Gemeinde in Griechenland füllt seit Jahren die Sündenbockrolle für die gesellschaftlichen Missstände aus. Die Griechen indes sehen ihre Landsmänner, die als ethnische und religiöse Minderheit im Süden Albaniens leben, kulturell unterdrückt.

Der albanische Fußballverband hat, quasi als Selbstschutz, auf das ihm von der Fifa zustehende Kartenkontingent von 1500 Karten für das heutige Spiel verzichtet. In Athen wird befürchtet, dass es heute Nacht zu Szenen der Gewalt im Stadtzentrum kommen werde. Auch ein Grund dafür, warum mancher Grieche und Albaner das Spiel lieber in Deutschland gesehen hätte.

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