Sport : Dem Himmel so nah

Hertha BSC bekommt eine Kapelle im Olympiastadion – nur die Sponsoren fehlen noch

André Görke,Daniel Pontzen

Von André Görke

und Daniel Pontzen

Berlin. Bislang besteht keine offizielle Fan-Freundschaft zwischen dem Vatikan und Hertha BSC, aber vielleicht gewinnt der Berliner Bundesligist demnächst ein prominentes Mitglied. Zwei Kapellen gibt es derzeit weltweit in Fußballstadien, eine in der Arena Auf Schalke und eine im Stadion Nou Camp in Barcelona – bei beiden Vereinen steht Papst Johannes Paul II. auf der Mitgliederliste. Vielleicht schaut er demnächst auch mal in der Spielstätte des Bundesliga-Vierten vorbei. „Die Pläne zur Errichtung der Kapelle im Olympiastadion nehmen Konturen an“, sagte Bernhard Felmberg, der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche für Berlin und Brandenburg nach einem Treffen aller mitwirkenden Parteien Anfang der Woche. „Zwar fehlen uns noch Sponsoren, aber wir sind zuversichtlich, dass die Finanzierung gelingt.“ Nach dem Bestreben der Beteiligten soll, wie der Tagesspiegel berichtete, demnächst ein ökumenischer Hort der Besinnung das renovierte Olympiastadion schmücken.

Bei der Zusammenkunft im Büro von Bischof Wolfgang Huber haben die Beteiligten die Pläne konkretisiert. Es sei „ein sehr konstruktives Gespräch“ gewesen, berichtete Felmberg, „alle Seiten haben starkes Interesse an einer einvernehmlichen Lösung gezeigt“. Wie wichtig das Thema Kapelle im Olympiastadion ist, zeigt die Beteiligung an dem Treffen. Neben Sportsenator Klaus Böger nahmen Bausenator Peter Strieder, Hans-Wolf Zopfy von der mit dem Umbau des Stadions beschäftigten Firma Walter Bau AG, Herthas Geschäftsführer Ingo Schiller und das Präsidiumsmitglied des Landessportbundes Dietrich Maes teil. „Wir sind frohen Mutes, dass alle Beteiligten ein Ergebnis finden wollen, hinter dem jeder gleichermaßen steht“, sagte Schiller.

Zur Diskussion stand unter anderem die Auswahl eines adäquaten Ortes. Ursprünglich waren drei im Gespräch – zwei im Stadion und einer gleich nebenan auf dem Olympiagelände. Am besten geeignet erschien den Beteiligten nach erster Einschätzung ein Raum in der Mitte der künftigen Gegengerade in der Nähe der VIP-Logen. Auf 50 Quadratmetern hätten Spieler und Fans dort Gelegenheit, für Tore und Siege ihrer Mannschaft zu beten. Zunächst aber „müssen wir die Prüfung des Raumes abwarten. Danach wissen wir, ob er für genügend Menschen zugänglich ist“, sagte Felmberg.

Man solle sich dabei „ausreichend Zeit für die Prüfung nehmen“, sagte der Sprecher von Walter Bau, Alexander Görbing. „Es besteht keine Gefahr, dass in einigen Wochen in Frage kommende Bereiche zubetoniert sind.“

Im nächsten Schritt wird es laut Felmberg dann „darum gehen, ein künstlerisches Konzept zu entwickeln, das einen klaren Stempel hinterlässt“. Schließlich wolle man „einen zusätzlichen Akzent im Stadion setzen“. Einige Künstler und Architekten haben bereits Interesse bekundet, an der Gestaltung mitzuwirken und Vorschläge eingeschickt. „Wenn es soweit ist, werden wir voraussichtlich einen Wettbewerb ausschreiben“, sagt Felmberg.

Bis dahin wird auch die Finanzierung eines der zentralen Themen sein. Rund 100 000 Euro dürfte die Kapelle im Olympiastadion kosten. Der Senat kann wegen der leeren Kassen keine Mittel bereitstellen. „Wir versuchen, Sponsoren aus dem Umfeld von Hertha und darüber hinaus zu gewinnen“, sagt Felmberg. Allzu aggressiv dürfte das Sponsoring der in Frage kommenden Firmen gleichwohl nicht werden. Ein Nike-Häkchen auf dem Altar, ein Arcor-Schriftzug auf der Kerze, so weit wird es dann wohl doch nicht kommen.

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