Sport : Dem Nachwuchs einen Ort

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Stefan Hermanns über eine weise Entscheidung des Deutschen Fußball-Bunds

Wilhelm August Hurtmanns hat im deutschen Sportjournalismus bleibende Spuren hinterlassen. Wilhelm August Hurtmanns, früher Redakteur bei der „Rheinischen Post“ in Mönchengladbach, war es, der 1965 erstmals das Synonym „Die Fohlen“ für die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach benutzt hat – weil Netzer, Heynckes und Laumen damals so ungestüm über die Spielfelder der Bundesliga stürmten wie junge Pferde über die Koppel. Der Begriff wird bis heute verwendet, obwohl die Fohlen von einst inzwischen kurz vor der Rente stehen. Nach dem 1984 verstorbenen Hurtmanns aber wird allenfalls noch in irgendwelchen Fußball-Ratespielen gefragt.

Mit ihrem jugendlichen Eifer haben die Fußballer von Borussia Mönchengladbach eine ganze Ära geprägt, und noch heute gilt Hennes Weisweiler, der Trainer der Fohlenelf, als Dauerentdecker junger Talente. Dass die Gladbacher zum ersten Mal Meister wurden, nachdem sie in Ludwig Müller und Klaus-Dieter Sieloff zwei alternde Recken zur Verstärkung ihrer brüchigen Abwehr verpflichtet hatten, passt zwar nicht in die schöne Legende, schmälert aber nicht die Verdienste der Gladbacher um die Nachwuchsförderung im deutschen Fußball. Schließlich haben auch Lothar Matthäus, Stefan Effenberg und Sebastian Deisler ihre ganz unterschiedlichen Karrieren am Bökelberg begonnen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hätte also gar keinen besseren Ort finden können, um eine Zukunft zu beginnen, die so glorreich werden soll, wie es die Vergangenheit für Borussia Mönchengladbach war. Am 6. September wird das Team 2006 sein erstes Länderspiel bestreiten, und zwar auf dem Bökelberg, der Heimweide der Original-Fohlen sozusagen. In der Mannschaft sollen dann nicht nur richtige Nationalspieler stehen, sondern auch junge Leute aus Erster, Zweiter und Regionalliga, die 2006 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land den WM-Titel für Deutschland gewinnen werden. Betreut wird das Team 2006 passenderweise vom Ex-Fohlen Uli Stielike.

Möge der Geist von Günter Netzer mit ihnen sein!

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