• Dem Patienten Damentennis geht es gut - Eitel Sonnenschein in Hamburg, und Berlins Turnierdirektor Wensky freut sich mit

Sport : Dem Patienten Damentennis geht es gut - Eitel Sonnenschein in Hamburg, und Berlins Turnierdirektor Wensky freut sich mit

Dietmar Wenck

Damit konnte nun wirklich niemand rechnen: In Hamburg herrscht beim Tennis eitel Sonnenschein. Und das in jeder Beziehung. Zum ersten Mal seit Jahren ging an der Alster ein Turnier ohne Wolkenbrüche, Wind und Wetter über die Bühne. "Super, rundherum super", jubelte der Pressechef Toralf Bitzer. "Eine Woche wie ein Traum", bilanzierte Turnierdirektor Günter Sanders. 55 800 Zuschauer besuchten das Damen-Turnier um den Betty-Barcley-Cup, mehr als jemals zuvor. Mehr auch, als jemals bei den German Open der Damen in Berlin gezählt wurden, deren 93. Auflage heute auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß beginnt. Wird der Berliner Turnierdirektor Eberhard Wensky da ein wenig neidisch? "So ein Quatsch", kommt als Antwort von dem 60-Jährigen, "ich bin damit sehr zufrieden. Das ist doch die beste Werbung fürs Tennis. Je mehr Beachtung Damentennis in Deutschland findet, umso besser ist es für uns alle." Die beste Werbung damit auch für die German Open in Berlin.

Das Verhältnis zwischen den Turnierdirektoren in Hamburg und Berlin ist ein besonderes. Sanders und Wensky kennen und schätzen sich schon seit ihren Zeiten als aktive Spieler. Doch in den vergangenen Jahren waren sie stets auch Konkurrenten. 1979 hatte der Deutsche Tennis Bund, der seinen Sitz an der Alster hat, die Deutschen Damenmeisterschaften an Berlin vergeben. Die Titelkämpfe waren nicht sonderlich attraktiv, die Hamburger waren froh, sie loszuwerden. Doch das änderte sich, als eine junge Dame namens Steffi Graf ihren Siegeszug auf den Tennisplätzen dieser Welt begann. Gern hätte der DTB die Veranstaltung zurück gehabt. Sanders träumte seinen Traum von einem "Mini-Grand-Slam", einem kombinierten Damen- und Herrenturnier. Doch die Berliner gaben ihre Veranstaltung nicht wieder her. Das Stadion am idyllischen Hundekehlesee wurde für 20 Millionen Mark ausgebaut. Bis 2007 sind inzwischen die German Open vertraglich an Berlin gebunden. Wie es aussieht, wird der Traum von Sanders auf lange Sicht unerfüllt bleiben.

Befürchtungen, der Barcley-Cup könne dem Berliner Turnier den Rang ablaufen, teilt Wensky nicht. "Das können die gar nicht. Schon wirtschaftlich ist das unmöglich", sagt er. Berlin hat ein so genanntes Tier-I-Turnier, das heißt eines, das mit 1 080 000 Dollar dotiert ist. Hamburg zählt zur Kategorie Tier-II mit einem Preisgeld von 535 000 Dollar. Bei Rot-Weiß werden über 100 Logen verkauft, bei den Hamburgern nur die Hälfte. Die Einnahmen vom Fernsehen sind höher. Doch die Quoten waren diesmal auch beim Barcley-Cup erstaunlich gut. Über eine Million Zuschauer wollten an den drei Schlusstagen dabei sein - noch nicht so viele wie in Berlin (1,8 Millionen), aber deutlich mehr als in den letzten Jahren. Dieser Erfolg lag nicht zuletzt an der starken Besetzung mit der Schweizerin Martina Hingis, dem Comeback von Venus Williams, der starken Vorstellung von Anke Huber. Sieben von acht gesetzten Spielerinnen erreichten das Viertelfinale, dazu kam mit Andrea Glass eine weitere Deutsche. "Das war perfekt", freute sich Bitzer.

In Berlin wird Venus Williams nun definitiv nicht antreten. "Sie reist morgen zurück in die USA", sagte Wensky gestern, "auch ihr Start in Rom ist unwahrscheinlich." Einiges Unverständnis zeigt er darüber, dass es dem Turnierpartner, dem Vermarktungsriesen IMG, nicht gelungen ist, wenigstens eine seiner Vertragsspielerinnen Venus und Serena Williams (verletzt), Mary Pierce, Lindsay Davenport oder Jennifer Capriati davon zu überzeugen, nach Berlin zu bekommen. Aber Wensky wäre nicht Wensky, würde er die Sache nicht gelassen sehen: "Wir wissen doch, von welchen Unwägbarkeiten das oft abhängt", meinte er, "nächstes Jahr werden wieder sieben oder acht Spielerinnen aus den Top Ten in Berlin starten."

An den ersten beiden Tagen waren zur Qualifikation und zum Konzert auf dem Centrecourt bereits rund 2000 Besucher auf der Rot-Weiß-Anlage. Wensky sagt, es seien 2000 Dauerkarten verkauft. Wenn das Wetter mitspielt, wird auch das Berliner Turnier ein Erfolg werden. Das ist das eigentlich Erstaunliche. Steffi Graf hat im vergangenen Jahr ihre Karriere beendet, und dem von vielen oft totgeredeten Damentennis scheint es gerade in Deutschland trotzdem bestens zu gehen. Das lässt auch Wensky hoffen.

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