Sport : Dem Spielmacher von Kaiserslautern laufen die Getreuen davon

Oliver Trust

Es gibt viele traurige Geschichten aus dem Pfälzer Wald in diesen Tagen. Aber auch ein paar lustige Episoden. Zum Beispiel die vom neuen Assistenztrainer Hubert Neu. Der scheuchte die Spieler des 1. FC Kaiserslautern ordentlich über den Platz. Zwei Stunden und mehr. Dabei waren die roten Teufel die 50 Minuten Einheiten von Otto Rehhagel gewöhnt. Und einmal sprang Ciriaco Sforza der Ball vom Fuß. Neu holte sich den Schweizer Fußball-Nationalspieler nach vorne und wollte ihm zeigen, wie man einen Ball stoppt. Sforza schaute finster drein, und die Kollegen lagen im Gras und lachten sich kaputt.

Neu wurde zurückgepfiffen. Heute wird wieder um die 50 Minuten geübt. Es ist manches durcheinander geraten in dieser Saison. Wahrscheinlich wird der Machtkampf zwischen Otto Rehhagel und Spielmacher Sforza zu Gunsten des Trainers ausgehen, aber auch bei Rehhagel hat die Auseinandersetzung Spuren hinterlassen. Geliebt haben sie "König Otto" hier in der Westpfalz nie, respektiert allenfalls. Schon beim Duell mit dem Denkmal Hans-Peter Briegel halfen Rehhagel die Erfolge. Doch die bleiben derzeit aus. Neun Niederlagen aus 14 Spielen. Und Sforza ist so etwas wie der Rädelsführer der halben Mannschaft, die gegen die Methoden Rehhagels rebelliert. Andy Buck, Ratinho und Co. wollten schon letzte Saison auf den Putz hauen. Dann schaffte Lautern den Uefa-Cup. Der Aufstand musste verschoben werden.

Der schlechte Start war nun das Startsignal. Geholfen hat der Sprung in den internationalen Wettbewerb nicht. Schon in der vergangenen Woche waren Gerüchte aufgetaucht, in der Mannschaft kursiere eine Solidaritätsliste für Sforza und gegen Rehhagel. Davon distanzierten sich die Spieler gestern und unterschrieben eine Erklärung, wonach sie sich nicht an einer angeblichen Unterschriften- und Solidaritätsaktion für Sforza beteiligt haben. Der Trainer sitzt am längeren Hebel. Dabei ist es längst kein Geheimnis mehr, dass es selbst im Kreis der neuen Kaiserslauterer Profis inzwischen einige gibt, die ihre Unterschrift in Kaiserslautern bitter bereuen.

Derzeit gibt Sforza sich lammfromm und verkauft seine Kritik als Weckruf im Sinne des Vereins. "Wenn ich mich auf die Tribüne setzen muss, dann werde ich das tun. Ich trainiere auch mit dem Assistenztrainer", sagte Sforza. Sein Berater Martin Wiesner hat ihm rechtzeitig gesagt, er müsse dringend auf sein Image achten. Vorwürfe, Rehhagel habe es mit einem egoistisch veranlagten Profi zu tun, entbehren nicht jeder Grundlage. Auch das spricht sich beim Pfälzer Anhang rum. Obwohl Sforza eigentlich den Mund halten wollte bis zu seiner Rückkehr nächsten Donnerstag, setzte er die Rechtfertigungen fort. "Ich habe nur die Wahrheit gesagt. Und die Wahrheit ist halt vielfach brutal. Ich habe es auch gemacht, weil ich den Verein in die richtigen Bahnen lenken will", sagte Sforza, der zurzeit in der Schweiz bei der Nationalmannschaft weilt. Im Sinne Wiesners stellt er das Wohlergehen des Klubs in den Vordergrund. "Wir wollen Herrn Rehhagel doch gar nicht stürzen. Wir wollten nur auf Probleme aufmerksam machen", sagte Andreas Buck. "Auch der Ciri wollte den Trainer bestimmt nicht demontieren."

Den nächsten Krach wird es geben, wenn Sforza zurückkehrt und den FCK-Funktionären unterbreitet, dass er die Strafe nicht zahlen will. Das hat Sforza in den letzten Tagen in der Schweiz erzählt. 30 000 Mark Buße hat ihm Rehhagel auferlegt. Und die Verbannung auf die Tribüne angedroht. Eine Lösung des Problems ist dies nicht. Nun hofft die Pfalz auf baldige Erfolge. Dann, so die Vorstellung der Funktionäre, könnte man das Problem vielleicht einfach "aussitzen". Zum Rauswurf Sforzas konnte sich die FCK-Führungsriege ja nicht durchringen. Vor allem aus finanziellen Gründen hoffen sie in der Chefetage, Sforza werde von sich aus gehen. "Er soll gehen, damit hier wieder in Ruhe vernünftig gearbeitet werden kann. Wir sind doch keine Dummköpfe und lassen uns mit einer fristlosen Kündigung die Transferrechte aus der Hand nehmen.", sagt Vorstandschef Jürgen Friedrich. "Ich gehe davon aus, dass Sforza nie wieder für uns spielen wird."

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