Sport : Dem Sünder eine Chance

Sportpfarrer Felmberg über die Spielerlaubnis für Robert Hoyzer in der Kirchenliga

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Herr Felmberg, die evangelische Kirche lässt den wegen Betrugs verurteilten Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer wieder in ihrer Fußballliga mitspielen. Das erinnert uns ein wenig an Erich Honecker.

Wie bitte? Ich weiß nicht, wie Sie diese Entscheidung für die Resozialisierung eines jungen Menschen in einen Zusammenhang mit Erich Honecker bringen können.

Im Jahr 1990, als Honecker in Deutschland unbändiger Hass entgegenschlug, hat ihm ein Pfarrer Asyl gewährt. Auch Hoyzer ist, auf einer anderen Ebene, ein Geächteter. Nur die Kirche gibt ihm eine Chance.

Das Christentum hat Möglichkeiten, die andere Institutionen nicht haben. Wir können Menschen in einen gesellschaftlichen Kontext einbinden. Robert Hoyzers Heimat ist der Fußball, er hat acht Jahre lang für die Junge Gemeinde Lichtenrade gespielt. In diesem Rahmen können wir ihm eine Chance geben.

Robert Hoyzer hat als Schiedsrichter Spiele manipuliert. Dafür ist er auch in der Kirchenliga für zwei Jahre gesperrt worden. Warum haben Sie ihn jetzt begnadigt?

Wir haben ihn nicht jetzt begnadigt, sondern schon im vergangenen September. Das war eine Reaktion auf ein Gnadengesuch von Herrn Hoyzer. Wir haben darüber lange und kontrovers diskutiert. Es gab nicht nur Fürsprecher.

Werden wir Herrn Hoyzer auch als Schiedsrichter in der Kirchenliga sehen?

Diese Sperre ist nicht aufgehoben, sie gilt noch bis zum kommenden Jahr. Dann wird man darüber debattieren, ob sie verlängert wird. Vorerst ist er nur als Spieler begnadigt. Es kommt darauf an, wie er sich bewährt.

Der Berliner Fußball-Verband hat Sie scharf kritisiert. Dessen Geschäftsführer argumentiert, es könne keine Begnadigung geben, wenn das strafrechtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen ist.

Das habe ich auch gelesen, zu uns hat der Verband keinen Kontakt gesucht. Noch einmal: Die Kirche steht in der Pflicht, auch solchen Menschen eine Chance zu geben, die gesündigt haben. Herr Hoyzer hat gesündigt, daran gibt es gar keinen Zweifel. Die Frage ist: Hat er das Verwerfliche in seinem Handeln erkannt?

Hat er?

Wenn wir anderer Meinung wären, hätten wir Herrn Hoyzer nicht begnadigt. Ich habe vorher ein sehr intensives seelsorgerisches Gespräch mit ihm geführt.

Mit welchem Inhalt?

Guter Mann, ich muss Ihnen doch nichts über das Beichtgeheimnis erzählen. Ich bin damals mit Herrn Hoyzer so verblieben, dass wir in regelmäßigem Kontakt bleiben werden. Erst am Donnerstag habe ich wieder mit ihm telefoniert.

Vor seiner Sperre hat Hoyzer in Lichtenrade mit seinen Schiedsrichterkollegen Manuel Gräfe und Felix Zwayer gespielt. Die Beiden haben den Deutschen Fußball-Bund über ihren Verdacht zu Hoyzers Manipulationen informiert und damit die ganze Affäre ins Rollen gebracht.

Bedauerlicherweise haben die beiden die Mannschaft verlassen und spielen jetzt für ein anderes Team, für Don Bosco. Auch darüber haben wir vor der Begnadigung diskutiert. Tatsache ist aber, dass der Rest der Mannschaft sich sehr für Hoyzer eingesetzt hat. Der Anstoß zu der Begnadigung kam aus Lichtenrade.

Am 4. Februar könnte Robert Hoyzer erstmals wieder in einem Punktspiel auflaufen. Es wird dann wohl einen ziemlichen Medienauflauf geben. Ist das im Sinne der Kirche?

Darauf freuen wir uns natürlich nicht besonders. Spieler aus Lichtenrade haben uns erzählt, welch eine große Aufregung es gab, als Hoyzer nur mal als Zuschauer an der Seite stand. Aber davon können wir die Entscheidung für eine Begnadigung nicht abhängig machen.

Werden Sie dabei sein?

Nein, ich verabschiede mich in den Ski-Urlaub. Ansonsten hätte ich vor dem Spiel wahrscheinlich eine Andacht gehalten. Weil ich keinen Stellvertreter habe und mein Posten als Sportpfarrer ein ehrenamtlicher ist, wird dieser Programmpunkt wohl ausfallen.

Das Gespräch führte Sven Goldmann.

Bernhard Felmberg, 40 , ist der Sportbeauftragte der

Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Vor seinem Studium spielte er

Fußball beim

Wilmdersdorfer SC.

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