Sport : Dem Ziel so nahe

Nach dem 4:0 bei den Mannheimer Adlern fehlt den Eisbären nur noch ein Sieg zum Titelgewinn

Claus Vetter[Mannheim]

Erleichtert wirkten die Spieler vom EHC Eisbären, als sie gestern die Eisfläche im Mannheimer Stadion am Friedrichspark verließen. Sie winkten sogar ihren Fans zu. Derartiges war bei den Berliner Profis zuletzt inmitten einer Play-off-Serie verpönt. Der Grund: Schon mehrmals hatten sich die EHC-Cracks zu früh gefreut, und am Ende wurde es dann nichts mit dem großen Erfolg. Auch gestern in Mannheim haben die Berliner noch nicht den Titel des deutschen Eishockey-Meisters gewonnen, aber sie haben einen Schritt dahin geschafft, der ihnen noch nie zuvor gelang. Nach dem 4:0 (1:0, 2:0, 1:0) bei den Adlern führen sie in der Finalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit 2:0. Bereits am Dienstag könnten die Eisbären mit einem dritten Sieg den ersten deutschen Meistertitel in ihrer Vereinsgeschichte feiern. Bei den DEL-Final-Niederlagen 1998 gegen Mannheim und 2004 gegen Frankfurt waren die Eisbären ohne Auswärtssieg geblieben.

Berlins Verteidiger Derrick Walser klärte nach dem Spiel die kleine Szene mit dem Dank an die Anhänger auf. „600 sind nach Mannheim gereist, waren fast durchweg lauter als die Anhänger der Adler. Für diese Unterstützung mussten wir ihnen einfach danken.“ Dann sagte der Kanadier aber sofort: „Keine Angst, bei uns feiert noch keiner. Wir denken nicht über den Dienstagabend hinaus.“ Obwohl das im Umfeld der Eisbären einige machen dürften, denn was die Mannschaft gestern leistete, war beeindruckend. Eisbären-Trainer Pierre Pagé sprach sogar von einem „perfekten Auswärtsspiel“ seiner Mannschaft.

In der kommenden Saison spielen die Adler in ihrer neuen Arena, wo 14 000 Zuschauer Platz finden werden. Doch gestern noch mussten sich 8200 Zuschauer im Stadion am Friedrichspark drängeln – und zudem hatten sie auch noch wenig Freude. Denn dass die Mannheimer als Titelträger in die neue Arena umziehen, erscheint nunmehr unwahrscheinlich. Die Eisbären dominierten im zweiten Finale das Geschehen von Beginn an – mit Disziplin, gutem Stellungsspiel und exzellentem Überzahlspiel. Nachdem Mannheims Andy Delmore in der sechsten Minute nach einem Foul am Berliner Alexander Barta auf die Strafbank geschickt worden war, musste Delmore von dort aus nur 20 Sekunden später mit ansehen, wie Denis Pederson aus Nahdistanz Mannheims Torwart Cristobal Huet überwand.

Die Adler hatten im ersten Drittel nicht eine gute Torchance und verloren das Spiel schon zu Beginn des Mittelabschnitts. 30 Sekunden waren wieder gespielt, da traf der überragende Steve Walker zum 2:0 für die Eisbären. Dem Kapitän der Berliner – schon am Freitag beim 5:3 im ersten Finalspiel zweifacher Torschütze – gelang so ziemlich alles. Nachdem Walker in der 32. Minute nach einer Vorlage von Stefan Ustorf einen Konter mit dem Tor zum 3:0 für die Eisbären abgeschlossen hatte, resignierten die Adler. Sie agierten fortan undisziplinierter, wohl in der Erkenntnis, dass dem Gegner spielerisch nicht beizukommen war. Steve Kelly kassierte nach einem Foul am Berliner Barta im letzten Drittel sogar noch eine Spieldauerstrafe. Kelly ist somit für das Spiel am Dienstag gesperrt. Das Ergebnis fiel dann noch deutlicher zugunsten der Eisbären aus, weil Shawn Heins im folgenden Powerplay mit einem Schlagschuss auf 4:0 erhöhte.

„Bye, bye Friedrichspark“ – das war gestern mehrfach auf dem Videowürfel im Mannheimer Stadion eingeblendet. Eigentlich sollte damit auf eine Abschiedsparty vom alten Stadion Ende April hingewiesen werden. Gestern konnte dieser Spruch auch anders interpretiert werden. Denn wenn die Berliner am Dienstag ihre erste von drei Chancen zum Gewinn des Meistertitels nutzen, dann hat gestern im zum Abriss bestimmten Mannheimer Eisstadion das letzte reguläre Eishockeyspiel stattgefunden.

Stephane Richer wünschte sich gestern Abend zwar, „dass wir unseren Fans noch ein letztes Spiel im alten Stadion bieten können“, aber der Trainer des fünfmaligen Meisters Mannheim wirkte nicht so, als würde er wirklich daran glauben. „Berlin ist einfach zu stark“, sagte Richer ein wenig resignierend . „Die Eisbären haben offensichtlich aus den negativen Erfahrungen gelernt.“ Das Winken sollte kein schlechtes Zeichen mehr sein.

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