Demo für Fankultur : "Es geht um uns alle"

Rund 160 Fangruppen aus 50 Vereinen haben sich angekündigt. Fansprecher Christian Bieberstein spricht im Interview über die Demonstration "Zum Erhalt der Fankultur" am Samstag in Berlin.

Aufruf ans Fanvolk. Auch Herthas Ostkurve warb für die Demonstration, die am Sonnabend ab 13 Uhr in Berlin-Mitte vom Alexanderplatz über Torstraße, Friedrichstraße und Unter den Linden zurück zum Alex führen soll. Hier eine Bildergalerie über Fankultur in der Kurve und anderswo.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Snaps
07.10.2010 08:17Aufruf ans Fanvolk. Auch Herthas Ostkurve warb für die Demonstration, die am Sonnabend ab 13 Uhr in Berlin-Mitte vom...

Herr Bieberstein, am Sonnabend wollen Fußballfans rund um den Berliner Alexanderplatz demonstrieren. Wofür oder wogegen gehen Sie auf die Straße?

Es ist keine Demo gegen irgendetwas. Wir werden demonstrieren, um auf unsere wunderbar vielfältige Fankultur aufmerksam zu machen. Und die wird durch viele Restriktionen seitens der Vereine, der Bundesliga und vom DFB angegriffen.

Welche Restriktionen meinen Sie?
Es gibt viele merkwürdige Auflagen, die uns das Leben als Fans schwer machen. Die Spieltage werden immer mehr zersplittert, es gibt oft Probleme mit Fahnen im Stadion. Dazu kommen exorbitant viele Stadionverbote, die pauschal nach Gießkannenprinzip ausgesprochen wurden. So kann es nicht weitergehen.

Diese Streitpunkte sind nicht neu. Wieso demonstrieren Sie gerade jetzt dagegen?
Weil sich nichts geändert hat. Nach dem Leipziger Fankongress 2007 gab es den Versuch, mit der „AG Fandialog“ einen runden Tisch mit dem Ligaverband DFL und dem DFB zu schaffen. Dabei ist allerdings wenig bis gar nichts herausgekommen. Das war sehr ernüchternd.

Einige Fanvereinigungen drohen jetzt damit, sich aus der AG zurückzuziehen.
Auch wenn wir uns dem Dialog nicht verschließen wollen: Wir sehen darin momentan keinen Sinn mehr. Uns wurde zum Beispiel versprochen, bei der Gestaltung der Spielpläne einbezogen zu werden – das ist nicht passiert. Es sind viele Kleinigkeiten, bei denen wir das Gefühl haben, nicht gehört zu werden. Deshalb wollen wir zeigen, wie wichtig Fankultur ist, auch für die Vereine.

Wie viele Fans erwarten Sie zur Demo?
Ich schätze 3500. Momentan haben sich aus ganz Deutschland rund 160 Fangruppen aus 50 Vereinen angekündigt, von der Bundesliga bis in die Oberliga. Ein Querschnitt der Szene wird kommen – Fanklubs, Ultra-Gruppierungen, Einzelpersonen. Es geht eben nicht um einen kleinen Teil, sondern um alle.

Innerhalb der Szene gibt es viele Rivalitäten. Werden Schalke-Fans friedlich neben Dortmundern marschieren?
Die größten Rivalen müssen natürlich nicht direkt nebeneinander laufen. Wir wollen aber zeigen, dass Fans miteinander reden können, auch wenn sie verschiedene Vereine unterstützen. Unsere Ziele gehen die Schalker genauso an wie die Dortmunder. Rivalität hat da nichts zu suchen, das wissen die Fans auch.

Fast alle Fußball-Funktionäre werden für das Länderspiel in Berlin sein. Hat sich Theo Zwanziger zur Demo angekündigt?
Es werden sicher Vertreter von DFB und DFL kommen. Mit denen werden wir das Gespräch suchen und dann auf ein Zeichen warten, was in den nächsten Wochen passiert. Ich würde es natürlich begrüßen, wenn Theo Zwanziger kommt, gehört habe ich davon aber noch nichts.

Christian Bieberstein, 26, ist Fan des Hamburger SV. Als Sprecher vertritt er die Fanvereinigung "Unsere Kurve", die die Demonstration in Berlin am Sonnabend mitorganisiert. Die Demo verläuft von 13 Uhr an vom Alexanderplatz über die Torstraße, Friedrichstraße und Unter den Linden zurück zum Alex. Das Interview führte Lars Spannagel.

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