Sport : Demonstration der Größe

Volleyballerinnen verpassen gegen starke Russinnen die Olympia-Qualifikation

Felix Meininghaus[Halle/Westfalen]

Für eine Volleyballerin muss es ein deprimierendes Erlebnis sein, wenn auf der anderen Seite des Netzes Spielerinnen wie Ekaterina Gamowa oder Yulia Merkulowa auftauchen. Die beiden Russinnen haben eine Körperlänge von jeweils 2,02 Metern und sind mit so langen Beinen und Armen gesegnet, dass sie den Ball in einer Höhe schlagen, die Normalsterbliche nur erreichen, wenn sie auf eine Leiter steigen. Auf allen Volleyballfeldern des Globus’ ist der Weltmeister gefürchtet, gestern bekamen 5300 Zuschauer im ostwestfälischen Halle vorgeführt, wie es sich anfühlt, wenn die russische Angriffsmaschine auf Hochtouren läuft. Am Ende einer Demonstration hatten die Deutschen 0:3 (15:25, 23:25, 17:25) gegen den Weltmeister verloren.

Die Olympischen Spiele in Peking werden also nach 1996 erstmals ohne das Team des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) stattfinden. Der Platz im olympischen Turnier wird heute zwischen Russland und Polen ausgespielt. Die Polinnen bezwangen im zweiten Halbfinale Serbien 3:1 (22:25, 25:18, 25:22, 25:22). Dagegen werden sich die Deutschen dieses Mal mit der Zuschauerrolle begnügen müssen, und das hat Gründe: Die Tage von Halle haben gezeigt, dass die Mannschaft um Spielführerin Angelina Grün zu wenig Qualität hat, um sich gegen die Weltklasse durchsetzen zu können.

Nach dem Auftaktsieg gegen die Türkei gab es für Deutschland drei Niederlagen in Folge. Besonders deutlich wurde der Klassenunterschied gegen die Russinnen. „Wenn wir sehr schlau spielen und mit den Fans zusammen einen wahren Rausch entwickeln können, haben wir auch gegen Russland eine Chance“, hatte Grün vorher gesagt. Doch nur im ersten Durchgang hielten die Deutschen bis zum 11:12 mit.

„Ich habe von den Wundern gehört, die unsere Mannschaft in der Vergangenheit geschafft hat“, sagte Libero Heike Beier nach dem Spiel, „aber nach dem ersten Satz ist der Hoffnungsschimmer gewichen.“ In der einseitigen Partie konnte es nur einen Sieger geben. „Gegen den Weltmeister zu verlieren ist keine Schande“, sagte DVV-Präsident Werner von Moltke, „man musste damit rechnen, dass es nicht reicht.“

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