Sport : Demontiert in Dresden

Der 1. FC Union geht 0:4 bei Dynamo unter

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Um das gerade Erlebte irgendwie zur artikulieren, bemühte sich Uwe Neuhaus drastischer Worte. „Das ist die bitterste, schlimmste und am wenigsten zu erklärende Niederlage meiner Amtszeit.“ Und die dauert nun schon mehr als vier Jahre an. Seit 2007 ist Neuhaus Trainer des 1. FC Union. Niederlagen gab es in dieser Zeit einige, aber vielleicht noch nie hatte sich die Mannschaft dabei so desaströs präsentiert wie am Freitagabend beim 0:4 (0:1) gegen Dynamo Dresden. 29 315 Zuschauer hatten ein Spiel erlebt, bei dem Union nicht einfach nur besiegt, sondern demontiert wurde.

Dabei begannen die Berliner überlegen, konnten sich aber keine Torchancen erspielten. Dresden versuchte erst einmal aus einer sicheren Deckung heraus zu agieren und so spielte sich das Geschehen in den ersten zwanzig Minuten zwischen den Strafräumen ab. Bis Christoph Menz einen hoch in den Strafraum geschlagenen Ball an den Oberschenkel bekam. Den Abpraller verwandelte Martin Stoll zur Dresdner Führung. „In dieser Situation wurde noch einmal alles zum Ausdruck gebracht, was wir schlecht und was Dresden gut gemacht hat“, sagte Neuhaus. „Dresden war einfach aggressiver.“

Weil seine Vorderleute in dieser Situation nur halbherzig zum Ball gingen, hatte Unions Torhüter Jan Glinker keine Abwehrchance. Der nach einer Oberschenkelverletzung wieder genesene Glinker war als einziger Spieler im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen Paderborn aus der Vorwoche ins Team gerückt. Für ihn musste Kilian Pruschke auf der Bank bleiben. Glinker machte seine Sache ordentlich, wie schon beim ersten Gegentor war er auch an den drei folgenden schuldlos. „Das war eigentlich ein Skandal, was wir hier abgeliefert haben“, sagte Glinker hinterher.

Richtig skandalös wurde die Leistung des 1. FC Union aber erst in der zweiten Halbzeit. Fünf Minuten waren nach dem Seitenwechsel absolviert, da spielte Robert Koch einen herrlichen Ball in die Tiefe. Unions Abwehr war nicht nur in dieser Situation gänzlich desorientiert, und so hatte Marvin Knoll keine Probleme, den Ball frei vor Glinker einzuschieben. Torsten Mattuschka versuchte auf der Gegenseite zwar mit einem Freistoß zu antworten, aber Dynamo hatte sich da schon längst in einen Rausch gespielt.

Vor allem der von Hertha BSC ausgeliehene Berliner Knoll machte mit Unions Verteidigung, was er wollte. Als Christian Stuff am eigenen Strafraum den Ball vertändelte, bediente Knoll Sascha Pfeffer zum 3:0. Nur wenige Augenblicke später war es dann Koch, der von Knolls Übersicht profitierte. Einen klugen Rückpass des Berliners verwandelte Koch locker zum vierten Tor für die Gastgeber. Es waren zehn Minuten, in denen Dresden Union überrollte. „Am Ende müssen wir sogar froh sein, dass es nicht noch höher ausgefallen ist“, sagte Unions Mittelfeldspieler Michael Parensen. Unions Fans war es auch so schon deutlich genug. Der Frust im Gästeblock brachte sogar vereinzelte „Neuhaus-Raus“-Rufe hervor.

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