• Dempsey-Kritik: Fifa-Präsident Blatter zeigt erstmals Verständnis für Enthaltung

Sport : Dempsey-Kritik: Fifa-Präsident Blatter zeigt erstmals Verständnis für Enthaltung

Nach tagelanger Kritik an seiner Person hat Charles Dempsey am Dienstag erstmals breite Unterstützung für seine Stimmenthaltung bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bekommen. Sowohl Fifa-Präsident Sepp Blatter als auch der deutsche WM-Bewerbungschef Franz Beckenbauer und seine rechte Hand Fedor Radman sowie die Verbände von Tonga und Samoa verteidigten den 79 Jahre alten Präsidenten der Ozeanischen Fußball-Konföderation (OFC), der mit seiner Enthaltung den 12:11-Abstimmungserfolg für Deutschland gegen Südafrika ermöglicht hatte.

"Wir haben damit gerechnet, dass er sich nicht gegen uns entscheidet. Der Charlie hat es uns versprochen, weil er ein sehr gutes Verhältnis zur Uefa hat", erklärte Beckenbauer dem Internetdienst Sport.1. "Nur kurz vor der Entscheidung hat man versucht, ihn umzustimmen. Seine eigene Konföderation hat ihn unter Druck gesetzt und ihm zu verstehen gegeben, wenn er an zweiter Stelle Deutschland und nicht Südafrika wählt, dann braucht er erst gar nicht mehr nach Hause zu kommen. Dann hat sich dieser alte Mann so unter Druck gefühlt, er ist fast durchgedreht."

Beckenbauers Ausführungen bestätigte Fedor Radman in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Demnach sei Dempsey beim Kongress in Samoa angeblich von Seiten Südafrikas und auch Blatters zur Stimmabgabe für den deutschen Mitbewerber gedrängt worden. "Wie man jetzt mit Dempsey umgeht, übersteigt die Grenzen des Anstandes. Man kann sich über die unqualifizierten Äußerungen von Politikern in seiner Heimat nur wundern. Der Charlie ist ein grundanständiger Kerl", erklärte der Berchtesgadener.

Nach Ansicht von Radman sei der Zuschlag durch das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes (Fifa) am vergangenen Donnerstag in Zürich vor allem auf die Art und Weise der deutschen Bewerbung zurückzuführen: "Wir haben am meisten das Fair Play geübt." Daher zeuge der Aufruf zum Boykott der WM 2006 durch einen nigerianischen Sportfunktionär von fehlendem Demokratieverständnis. "Von einem Boykott zu reden, das ist das Dümmste", sagte der 55-Jährige, der auch eine Wiederholung der Wahl ausschließt.

Das wurde durch Fifa-Präsident Blatter bestätigt: "Die Wahl genügt den Fifa-Regeln und dem Schweizer Recht", erklärte der Schweizer der französischen Nachrichtenagentur AFP. Er wies darauf hin, dass die Abstimmung unter Aufsicht eines Notars durchgeführt worden sei. Zunächst hatten südafrikanische und neuseeländische Vertreter erwogen, bei der Fifa eine Wiederholung der Wahl des WM-Austragungslandes zu verlangen. Inzwischen scheinen sie von diesem Vorhaben abgerückt zu sein.

Blatter verteidigte gleichzeitig Dempseys Entscheidung: "Mister Dempsey hatte das Recht, sich zu enthalten, auch wenn ich diese Tatsache bedaure. Aber anstatt seine Entscheidung an die große Glocke zu hängen, hätte er wenigstens in die Wahlkabine gehen und seinen Wahlzettel entwerten können." Blatter räumte gleichwohl ein, dass die Entscheidung gegen Südafrika eine persönliche Niederlage für ihn bedeute. "Es ist die größte Enttäuschung meiner Karriere als Verwaltungsbeamter. Wir hatten die Chance, Geschichte zu schreiben und wir haben sie nicht genutzt. Europa hatte die große Gelegenheit, eine bedeutende Geste gegenüber Afrika zu machen. Sie haben es nicht getan. Aber auch das ist Demokratie."

Rückendeckung erhielt Dempsey in der Ozeanischen Konföderation aus Tonga und Samoa. Nach Angaben von Tongas OFC-Exekutivmitglied Ahongalu Fusimalohi hatten sich sechs der elf Verbände bei einer Telefonschaltung mit dem Vorsitzenden einverstanden erklärt, dass dieser nach dem Ausscheiden Englands nach seinem Gewissen entscheide. Damit sei die beim Kongress in Samoa getroffene Festlegung für Südafrika aufgehoben worden. Von neuseeländischer Seite wurden diese Angaben allerdings postwendend bestritten.

Scharfe Kritik an der WM-Vergabe übte indes Südafrikas Präsident Thabo Mbeki in einem Brief an Neusselands Premierministerin Helen Clark: "Die Züricher Entscheidung vermittelt uns die Botschaft, dass das Konzept der menschlichen Solidarität für einige fremd ist, die mächtig sind. Irgendwann muss die Agonie von Millionen zu einem Ende kommen. Die Zeit wird zeigen, wer an der Seite der Menschen Afrikas stehen wird, um dieses Ziel zu erreichen."

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