Sport : Demut vor der Strecke

Friedhard Teuffel

Diesmal also kein Weltrekord, das angekündigte spannende Duell an der Spitze gab es auch nicht, und deutsche Läufer kamen erst mit deutlichem Rückstand ins Ziel. Was also ist der sportliche Wert dieses Berlin-Marathons?

Laufen als Fest zu feiern wird schon vorausgesetzt beim größten deutschen Marathon, auch wenn es nicht selbstverständlich ist und die Atmosphäre an der Strecke immer wieder aufs Neue begeistert. Das Fulminante, Außergewöhnliche mag in der Tat in diesem Jahr gefehlt haben, doch es bleibt ein gutes Gefühl. Erst vor einem Monat hatte Usain Bolt bei den Weltmeisterschaften in Berlin mit seinem krachendem Weltrekord über die kürzeste olympische Laufdistanz ebenso Euphorie verursacht wie Zweifel geweckt. Ob eine neue, fast übermenschliche Bestmarke des ebenso dominierenden Haile Gebrselassie auf der längsten olympischen Laufdistanz den Sport jetzt weitergebracht hätte?

Aus dem Rennen in Berlin kann der Äthiopier eine Menge mitnehmen. Etwa Demut vor der Strecke und dem Wettbewerb, selbst wenn es nur der Wettbewerb gegen sich selbst ist. Gebrselassie hatte sich auf einen Weltrekord vorbereitet, aber letztlich erfahren müssen, dass eine solche Leistung nicht planbar ist, nicht einmal für ihn, den Langstreckenläufer des Jahrzehnts.

Bolt sagte nach seinem Sieg im Olympiastadion, er habe sein Rennen über 100 Meter einfach ausgeführt, exekutiert. Start, Sprint, Sieg. Gebrselassie dagegen kam am Sonntag an seine Grenzen, und er hat die Bedeutung der äußeren Umstände noch einmal kennengelernt, weil ihn auch das Wetter nicht schneller laufen ließ. Mit diesem natürlichen Tempolimit sollte der Berlin-Marathon gut leben können.

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