Sport : Den Anschluss verloren

Der FC Bayern kommt gegen Mönchengladbach nur zu einem 1:1 und ist weiter Tabellenvierter

Daniel Pontzen[München]

Nach Lektüre der statistischen Kennzahlen hätte man durchaus auf die Idee kommen können, auf die Austragung des für gestern Nachmittag angesetzten Spiels zwischen Bayern München und Borussia Mönchengladbach zu verzichten. 30 Mal hat der Verein vom Niederrhein in seiner Bundesliga-Vergangenheit eine Reisegruppe zum FC Bayern entsandt, und trotz der glorreichen Siebzigerjahre reichte es nur zu einem einzigen Sieg. Auch die Auswärtsbilanz der Mönchengladbacher in der laufenden Saison legte nahe, die Reiseaufwendungen einzusparen: Auf sieben Exkursionen erwirtschafteten sie gerade einen Punkt.

Es schien also, als sollte die entscheidende Frage des Nachmittags die nach der Höhe des Sieges sein. Dass die Antwort darauf 1:1 lautete, lag daran, dass die Bayern vor allem in der zweiten Halbzeit kein Mittel fanden, ihre Überlegenheit zählbar zu machen. „Wir tun uns schwer gegen Mannschaften, die hinten drin stehen. Wir hatten zwar auch Möglichkeiten, aber heute wollte das Ding einfach nicht mehr rein“, resümierte Trainer Felix Magath. „Natürlich überwiegt die Enttäuschung.“ So bleiben die Münchner auf dem vierten Tabellenplatz, während Gladbach trotz des Achtungserfolges auf einen Abstiegsrang abrutschte.

Zu Beginn deutete wenig darauf hin, dass die erwarteten Kräfteverhältnisse ernsthaft durcheinander gewirbelt werden würden. Die Elf von Felix Magath bestimmte das Tempo, erspielte sich eine Reihe von Torchancen und ging durch einen Kopfball von Martin Demichelis verdient in Führung. Gesenkten Kopfes trotteten die Mönchengladbacher während des Münchner Jubels Richtung Anstoßkreis – die meisten wirkten, als hätten sie einen Münchner Sieg schon als unabänderliches Fatum akzeptiert. Doch der Gegner brachte die Borussen zurück ins Spiel: Nach einem Fehlpass des Torschützen Demichelis setzte der spielfreudige Federico Insua seinen Kollegen Michael Delura in Szene, der souverän zum 1:1 abschloss. In der zweiten Hälfte erhöhten die Münchner den Druck, was auch daran lag, dass Sebastian Deisler Martin Demichelis ersetzte, und einige Male waren sie der erneuten Führung nahe: Doch Mark van Bommel traf mit einem Heber ebenso nur das Gebälk wie Claudio Pizarro wenig später per Kopf. „Im Moment ist unser Problem: Wir lassen dem Gegner eine Torchance, und die ist dann drin“, sagte Philipp Lahm mit genervtem Unterton. Zufriedenheit herrschte derweil bei den Gladbachern. „Wir haben defensiv gut gestanden. Natürlich kann man nicht immer verhindern, dass Bayern Torchancen hat oder einen Lattentreffer“, sagte Trainer Jupp Heynckes, insgesamt sei seine Mannschaft „sehr ballsicher“ und „selbstbewusster als zuletzt“ aufgetreten.

„Wenn ich schon einem die Punkte gönne, dann ihm“, sagte Bayerns Manager Uli Hoeneß mit Blick auf Heynckes, mit dem ihn seit Jahren eine enge Freundschaft verbindet. Doch wohl nicht nur deshalb zog Hoeneß betont milde Bilanz: „Die Mannschaft hat aufopferungsvoll gekämpft, es war in der zweiten Halbzeit ein Spiel auf ein Tor, da kann man mal Punkte verlieren, da kann man der Mannschaft keinen Vorwurf machen.“ Dass der Rückstand auf Bremen wieder drei Punkte betrage, störe ihn nicht. „Die Herbstmeisterschaft interessiert mich überhaupt nicht“, sagte Hoeneß, „aber ich bin immer noch der Meinung, dass es eine Chance gibt, auf Platz eins zu überwintern.“

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