Sport : Den Bayern fehlt eine starke Reserve

Daniel Pontzen

München - Zum Münchner Aufgebot zählte wieder der größte Bayern-Spieler aller Zeiten, Angst beim Gegner Sporting Lissabon löste er jedoch nicht aus. Stefan Maierhofer verdient den Superlativ nämlich nur in punkto Körpergröße, 2,02 Meter misst der junge Stürmer, der am vergangenen Samstag zu einem Zwei-Minuten-Debüt in der Bundesliga kam. Gewöhnlich ist er für die Amateurmannschaft aktiv, was auch für jene drei Herren galt, die neben ihm auf der Ersatzbank saßen und deren Gesichter es bislang in keinem Panini-Album zu sehen gab: Mats Hummels, Stephan Fürstner und Christian Saba. Am Dienstag aber benötigte Cheftrainer Felix Magath für sein Champions-League-Aufgebot jeden Einzelnen. Genau darin könnte in dieser Saison das Problem der Münchner liegen.

„Unser Ziel war es, möglichst lange auf allen drei Hochzeiten dabei zu sein“, sagte Magath nach dem Einzug ins Achtelfinale, der erstmals schon nach vier Spielen feststeht. Wenngleich der Trainer nach dem 0:0 festhalten konnte, dass seine Mannschaft „überall noch das Maximale erreichen kann“, ließ sich der bescheidene Auftritt vor allem als Warnhinweis werten: Darauf, dass der Kader gemessen am Anspruch zu dünn besetzt sein könnte.

Von den zuletzt zur Stammformation zählenden Spielern fehlten neben dem gesperrten Bastian Schweinsteiger die Verletzten Lukas Podolski und Lucio sowie der angeschlagene Mark van Bommel. Seit Längerem stehen Sebastian Deisler und Valerien Ismael nicht zur Verfügung – eine stattliche, aber keine extreme Anhäufung von Ausfällen.

Gegen Lissabon wurde deutlich, dass die zweite Besetzung keinen adäquaten Ersatz bietet. Den Feinmotorikern Ali Karimi und Julio dos Santos traut Magath nur Teilzeiteinsätze zu – selbst am Dienstag standen sie nicht in der Anfangself. Die diesmal bevorzugten Hasan Salihamidzic und Christian Lell blieben den Nachweis schuldig, auf Champions-League-Niveau mithalten zu können: Während der Bosnier sich seit Jahren vergeblich bemüht, jenen Flügelflitzer zu kopieren, der er einst war, wirkte Lell überfordert, ehe ihn Magath zur Halbzeit auswechselte.

Die Integration neuer Spieler ist auch deshalb schwierig, weil die Leistungsträger damit beschäftigt sind, sich an die neue Taktik mit drei Angreifern zu gewöhnen. Über die Frage, ob das neue System „der Weisheit letzter Schluss ist“, müsse man ohnehin noch einmal diskutieren, sagte Torhüter Oliver Kahn.

Kaum zu vermeiden sein dürfte zudem die Debatte, ob sich der FC Bayern noch einmal verstärken muss. Bisher haben die Verantwortlichen derartige Vorstellungen verneint, wohl auch, weil der Markt wenig hergibt. Den Wunsch des Präsidenten jedenfalls werden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge kaum erfüllen können. „Man braucht einen, der auf dem Platz das Heft in die Hand nimmt“, sinnierte Franz Beckenbauer, „so einen wie Michael Ballack.“

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