Sport : Den ewigen Nörglern gibt Rehhagel eine Lektion in Ägyptologie

HARTMUT SCHERZER

KAISERSLAUTERN .Otto Rehhagel gibt seinen umstrittenen Ägyptern volle Rückendeckung: Auf dem Platz neuerdings mit Ciriaco Sforza als Libero, auf der Pressekonferenz mit ungewohnten Lobeshymnen: "Samir hat eine erstklassige Partie geliefert.Yeboah hat keinen Ball gesehen." Und das will schon etwas heißen.Es war für Otto Rehhagel an der Zeit, den ewigen Nörglern an den Kickern vom Nil mal eine Lektion in Ägyptologie zu erteilen."Die kommen aus einem ganz anderen Kulturkreis und brauchen eine gewisse Zeit, sich einzugewöhnen.Aber das sind zwei erstklassige Jungs, die immerhin mit ihrem Land Afrikanischer Meister geworden sind." Ibrahim Samir und Hany Ramzy hatten beim 1:0-Sieg des 1.FC Kaiserslautern über einen extrem harmlosen Hamburger SV durch ein spätes Tor des eingewechselten Sachsen Uwe Rösler in der 83.Minute freilich leichtes Spiel.

Die "Pyramidenwächter" wurden von den schwerfälligen, behäbigen Bundesliga-Veteranen Anthony Yeboah, Sergej Kirjakow und Martin Dahlin vor und nach der Pause kaum bedrängt."Es war ein bißchen wenig, was wir vorne gebracht haben", räumte Frank Pagelsdorf ein.Der HSV-Trainer erwartet nun, daß der um die Hüften herum unübersehbar füllige Schwede bald in Form kommt."Yeboah brauchte bei uns ein dreiviertel Jahr.Ich hoffe, daß es bei Dahlin nicht so lange dauert." Wenn der Torwart (!) Hans-Jörg Butt mit einem Kopfball knapp neben das Tor für die einzige Chance des HSV sorgte, stellt dieser Verzweiflungsakt in der letzten Minute den eigentlichen Hamburger Torjägern ein Armutszeugnis aus.Oder lag es wirklich an Samir und Ramzy? Mit Sforza und Rehhagel im Rücken scheinen die Abwehrrecken ihre manchmal beängstigende Unsicherheit tatsächlich abzulegen.Rehhagel lobte vor allem die Zweikampfstärke und Disziplin des in den Medien besonders hart kritisierten Samir, sah ihm "zwei, drei Fehlpässe" nach und sich selbst wieder einmal bestätigt: "Denkt daran", habe er den beiden Ägyptern gut zugeredet, "was euch der Trainer sagt, und laßt euch nicht von irgendwelchen Leuten, die euch das nicht gönnen, den Spaß am Fußballspiel verderben."

Eine gewisse Gruppe habe Stimmung gegen die beiden Fremden gemacht, die Journalisten seien darauf "angesprungen" - "wir kennen das ja in der heutigen Medienlandschaft" - , und dann sei es für die beiden natürlich besonders schwer."Wenn der Trainer dann wacklig wird, kann das schnell zu Irritationen führen." Nicht so bei Rehhagel."Das passiert bei mir nicht." Die verunsicherten Ägypter haben eben das Glück, daß sie einen so selbstsicheren Chef auf der Trainerbank haben.Seit dem 0:4-Debakel in München gegen den FC Bayern (mit Ramzy noch als Libero) hat Rehhagel seine so anfällige Ägypter-Abwehr mit Sforza stabilisiert und sich mit einer kleinen Serie von nunmehr drei Siegen in der Bundesliga auf den dritten Platz geschlichen.

Sforzas Rückzug geht zwar auf die Kreativität des Mittelfeldes, wo die jungen Hüpfer Riedl und Ballack mit viel Fleiß versuchen, den Spielaufbau zu betreiben.Die neue Stabilität der Abwehr hat freilich weniger mit den Ägyptern als mit dem Schweizer zu tun, der einen souveränen Ausputzer spielte.Die Folge: Seit langem begann "das Fußball-Leben mit dem Konter" (Rehhagel) auf dem Betzenberg einmal nicht mit einem Rückstand.Weil Sforza nach seiner Verletzung noch nicht wieder in bester Form sei, gestand Rehhagel seinem "Spiritus rector" diese rein defensive Rolle zu."Es reicht läuferisch noch nicht, daß er durch die Mitte mit dem Ball am Fuß wie einst Franz Beckenbauer in den gegnerischen Strafraum marschiert."

Aber, und darauf kommt es derzeit Rehhagel an, "Ciriaco hat hinten seine Abwehr sehr sicher gestellt, spielt routiniert, ballsicher, zu null und hat damit alles richtig gemacht." Und wer weiß, vielleicht kommt das andere mit der "Marke Beckenbauer" auch noch ...

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