Sport : Den Fans die Hand gereicht

Herthas Spieler spendieren ihren Anhängern 300 000 Euro für Auswärtsfahrten – und Manager Hoeneß ist begeistert

André Görke

Berlin. Niko Kovac war gut informiert. Jeder wisse doch, sagte der Fußballprofi von Hertha BSC mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit, dass den Gästefans zehn Prozent der Eintrittskarten in einem Stadion zustehen. In Bremen, beim nächsten Auswärtsspiel, „da gehe ich mal von 4000 Hertha-Fans aus“. Zwei Wochen später in Freiburg werden es weniger, „aber das ist nicht schlimm, dort passen in den Gästeblock ja nur 2500 Mann“. Und dann lächelte Kovac, als wolle er sagen: Weiß doch jeder!

Herthas Fußballer jonglieren also mit fiktiven Zahlen wie sonst nur Marcelinho mit dem Ball. Die bislang sportlich enttäuschenden Spieler haben einen Weg gefunden, wie sie den Forderungen von Manager Dieter Hoeneß nach einem finanziellen Verzicht gerecht werden konnten. Und Hoeneß sagt: „Die Lösung hat Charme.“ Die Lösung sieht so aus: Die Mannschaft will den Hertha-Fans Busreisen und Eintrittskarten für die verbleibenden acht Auswärtsspiele spendieren. „Ist doch eine gute Idee, oder nicht?“ sagte Kovac. „Die Fans haben ja am meisten unter dieser Hinrunde gelitten.“

Am Abend stimmte Honeß dem Plan zu. Nach einem Treffen des Mannschaftsrats mit Hoeneß erklärte Kapitän Dick van Burick: „Wir sind bereit, für die restlichen Auswärtsspiele eine Pauschale von 300 000 Euro für unsere Fans zur Verfügung zu stellen.“ Das entspricht den Fahrtkosten für insgesamt 11 000 Fans. „Es ist ein Zeichen, das ich erwartet habe“, sagte Hoeneß erfreut.

Mit Spannung war erwartet worden, wie die Vereinsführung auf den Vorschlag der Spieler reagiert. In Medienberichten war ursprünglich gar von einer Million Euro die Rede – das hätte 4000 freie Fankarten pro Auswärtsspiel bedeutet. Nun, nach der Einigung, dürfen durchschnittlich knapp 1500 Fans pro Spiel mitreisen.

Eigentlich hatte der Manager einen Gehaltsverzicht der Spieler ins Gespräch gebracht. Hoeneß hatte nach der Hinrunde Opfer von den Spielern gefordert. In der Kabine äußerte er den Vorschlag, dass 25 Prozent der Gehälter bis zum Saisonende eingefroren und beim Klassenerhalt ausgezahlt werden. Die Mannschaft war davon nicht begeistert – und entwickelte ihren Gegenvorschlag. Nach der Einigung sagte der Manager: „Es ging mir nicht allein um einen Gehaltsverzicht. Das war nur eine Idee.“

Drei Wochen lang stand die Debatte auf der klubinternen Problem-Agenda. Herthas Trainer Hans Meyer reagierte zuletzt genervt auf Fragen, die in diese Richtung gingen. Gestern sagte er nur, dass ein Ende der Debatte nah sei, „zum Glück“. Hoeneß beharrte allerdings darauf, dass er von der Mannschaft „ein Zeichen sehen will“.

Nach Angaben aus der Vereinsführung sollen die letzten Details der Vereinbarung in den nächsten Tagen geklärt werden. Dann soll auch klar sein, bei welcher Auswährtsfahrt wie viele Fans auf Vereinskosten die Mannschaft begleiten können und wie das alles organisiert wird. Fest steht auch, dass die von den Profis zu zahlenden 300 000 Euro gestaffelt werden. „Besser verdienende Spieler zahlen mehr“, kündigte Hoeneß an.

Ein Zeichen haben die Spieler also gesetzt. „Wir wissen, dass wir die Fans brauchen, um das Minimalziel Klassenerhalt zu erreichen“, sagte van Burik zufrieden. Doch Manager Hoeneß reicht das noch nicht: „Jetzt geht es auch um Signale auf dem Fußballplatz.“

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