Sport : Den Förderer fordern

Herthas junge Profis Fathi und Chahed treffen auf ihren alten Trainer Meyer

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Fast hätte Andreas Neuendorf die Karrieren zweier junger Fußballprofis kurz nach ihrem Beginn schon wieder beendet. In der Rückrunde der Saison 2003/2004 begab es sich, dass die Verteidiger Sofian Chahed und Malik Fathi unter Trainer Hans Meyer erstmals in der Startformation der Bundesligamannschaft von Hertha BSC spielen durften. „Ein paar Wochen später hat Zecke Neuendorf uns in einen Friseursalon geschleppt und uns kein Mitspracherecht eingeräumt“, erzählt Chahed. Neuendorf dirigierte die Friseurinnen – und Chahed und Fathi bekamen spektakuläre Haarschnitte verpasst: Fathi wurden Rastazöpfe geflochten, Chahed ein Irokese geschnitten. Trainer Hans Meyer hat das überhaupt nicht gefallen. „Das hat er zwar nicht direkt zu uns gesagt, aber wir haben es deutlich gemerkt“, sagt der 22-jährige Chahed. Trotz mancher abfälliger Blicke wurden Fathi und Chahed weiter eingesetzt, sie schafften den Klassenerhalt mit den Berlinern. „Bei Hans Meyer hatten die älteren Spieler keinen Bonus, die Leistungen im Training zählten“, sagt Chahed. „Das war für die Jungen natürlich ein Vorteil.“

Für das Vertrauen ist er Meyer noch heute dankbar. Und doch hofft Abwehrspieler Chahed, „dass mein ehemaliger Trainer am Sonntag nach dem Spiel sehr schlecht gelaunt ist“. Heute um 17 Uhr 30 (live auf Premiere) spielt Hertha im Olympiastadion gegen Hans Meyers neuen Verein, den 1. FC Nürnberg. Dabei werden die Berliner auf den gesperrten Marcelinho (Gelb-Rot in Hamburg) sowie die verletzten Nando Rafael, Oliver Schröder, Dick van Burik und Josip Simunic verzichten müssen. Es wird deshalb ein bisschen so sein wie früher, mit Chahed und Fathi in der Abwehr und Meyer an der Seitenlinie.

Dabei ist es reiner Zufall, dass Sofian Chahed ausgerechnet vor einer Woche im Spiel gegen Hamburg wieder den Sprung in die Profimannschaft Herthas geschafft hat. Die verletzungsbedingten Ausfälle der Innenverteidiger Simunic und van Burik sind wohl der eine, die verbesserten Trainingsleistungen Chaheds der andere Grund dafür.

Als Meyer Hertha nach der Rückrunde der Saison 2003/2004 wieder verließ, musste auch Chahed weichen – in die zweite Mannschaft der Berliner. „Ich war zu zufrieden mit dem, was ich erreicht hatte“, sagt Chahed. Eineinhalb Jahre lang hatte er es nicht geschafft, sich durch gute Leistungen wieder für die Profis zu empfehlen.

Indirekt trage auch Trainer Hans Meyer ein bisschen Schuld daran, sagt Hans Meyer. „Wenn ein Spieler in der Bundesliga aufgelaufen ist und gut war, dann empfindet er die zweite Mannschaft als Degradierung. Auch wenn er es nicht ausspricht, passiert das fast automatisch.“ Deshalb hätten viele junge Fußballer, die einmal oben mitspielen durften, Schwierigkeiten, sich genügend für die zweite Mannschaft ihres Klubs zu motivieren, „auch wenn sie leistungsmäßig eigentlich noch dort hingehören“. Um den Abstieg Herthas zu verhindern, sei er allerdings gar nicht an Chahed und Fathi vorbeigekommen, „weil sie zu diesem Zeitpunkt einfach besser waren als die anderen Verteidiger“.

Malik Fathis Karriere verlief ganz anders als die von Chahed. Der 22-Jährige schaffte es nach Meyers Weggang unter dem neuen Trainer Falko Götz ziemlich schnell, ein Stammspieler zu werden. „Malik hat sich unheimlich da reingebissen“, sagt Götz. Und Meyer glaubt, „dass Malik vom Typ her schon sehr früh erstaunlich stabil war“. Besonders sentimental wird Hans Meyer heute aber nicht werden, auch wenn Chahed und Fathi gemeinsam für Hertha auflaufen werden. „Das ist ein ganz normales Spiel für mich“, sagt er. Über eines würde sich Meyer aber schon freuen: „Sofian Chahed sollte mir zwei Berliner Buletten mitbringen, weil er alles nur mir zu verdanken hat.“

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