Sport : Den Gegner abgehängt

Albas Basketballer gewinnen im Uleb-Cup gegen Sofia 78:61

Helen Ruwald

Berlin - Kühl und emotionslos schüttelte Henrik Rödl nach der Schlusssirene Hände. Seine Mannschaft, die Basketballer von Alba Berlin, drehte mit ernsten Gesichtern die übliche Ehrenrunde, einzig William Avery und Nikolai Simon entglitt ein Lächeln. Nur ihren Gesichtern war zu entnehmen, dass hier keine Verlierer, sondern überzeugende Sieger vom Platz gingen. 78:61 (38:30) schlug der Bundesligist im Uleb-Cup Lukoil Academic Sofia. In der Gruppe C haben nun alle sechs Mannschaften je ein Spiel gewonnen und verloren. Alba liegt auf Platz drei.

Offiziell interessierten sich 5128 Fans für das Heimspiel im Uleb-Cup, doch die gefühlte Zuschauerzahl in der Max- Schmeling-Halle war niedriger. Die, die weg blieben, weil sie schlechte Erinnerungen an die Niederlagen-Serien vergangener Spielzeiten hatten oder sich noch nicht mit dem völlig neu zusammengesetzten Team identifizieren können, versäumten einiges: einen Sieg, souveräne Gastgeber – was von Alba international nicht zu oft gesagt werden kann, und eine Mannschaft, die viel eingespielter wirkte als zuletzt. Sharrod Ford, Julius Jenkins und Chris Owens machten jeweils 17 Punkte, Koko Archibong wurde als „Mann des Spiels“ ausgezeichnet, weil er Sofias Star Todor Stojkow aus dem Spiel nahm. Imponierend war Albas Überlegenheit bei den Rebounds: 52:31 gewannen sie das Duell unter den Körben.

Die Nerven von Alba Berlin hielten am zweiten Spieltag des Uleb-Cups, der für die Gastgeber, so komisch es klingt, schon beinahe Endspielcharakter hatte. Nach der Auftaktniederlage in Siena (63:79) hätte eine Heimspiel-Niederlage gegen ein Team, das nicht zu den Favoriten der Gruppe C gehört, Alba Berlin den verzweifelten und in den vergangenen Jahren auch vergeblichen Kampf gegen das frühe Aus führen lassen.

Der Druck war Alba nicht anzumerken. Die Mannschaft spielte temporeich, immer wieder fand Spielmacher William Avery seinen Kollegen Sharrod Ford. In der Bundesliga hat Ford in dieser Saison schon mit spektakulären Dunkings begeistert, in Siena hingegen enttäuscht. Gestern Abend demonstrierte er auch im Uleb-Cup sein Können, er und Avery überzeugten als immer besser eingespieltes Duo. Alba zog auf 16:8 davon, Sofia hatte zu diesem Zeitpunkt aus der Distanz und von der Freiwurflinie getroffen, aber noch kein einziges Mal in Korbnähe – das ließ Berlins starke Verteidigung nicht zu.

Als Trainer Rödl bis auf Koko Archibong alle Spieler der Startformation vom Feld nahm, verkürzte Sofia bis zum Ende des Spielabschnitts auf 14:16. Im zweiten, zunächst ausgeglichenen Viertel zog Alba mit einer 12:2-Serie auf 38:27 davon und vor allem Ford riss die Fans immer wieder zu Szenenapplaus hin. Zur Pause hatte Alba zwar immer noch keinen Distanzwurf getroffen (Sofia vier), dominierte aber das Reboundduell (29:14) und hatte zehn von zwölf Freiwürfen verwandelt. In Siena waren die Freiwürfe eine entscheidende Schwäche des Bundesligisten gewesen.

38:30 stand es zur Pause – genauso wie in Siena vor einer Woche, als die Berliner nach starker erster Halbzeit völlig einbrachen. Gestern spielten sie zwar nicht auf dem Niveau der ersten zwanzig Minuten weiter, leisteten sich aber auch keine Schwächephase. Nach 23 Minuten Spielzeit gelang Julius Jenkins endlich auch Albas erster Dreipunktewurf. Nach einigen nun doch vergebenen Freiwürfen verkürzte Sofia zwar durch einen Distanzwurf auf 48:53, doch Avery reagierte prompt und stellte mit einem Dreier den alten Abstand her.

Ford und der gleichfalls starke Chris Owens waren es, die für Alba punkteten, während Sofias Lamont Jones nicht wie gewohnt zum Zug kam. In der vergangenen Saison war er der zweitbeste Werfer des Uleb-Cups, gestern machte er 14 Punkte. Die Stars waren andere – die Spieler von Alba Berlin.

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