Sport : Den Gegner stark machen

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Helmut Schümann über Rudi Völlers Bilanz der schlechten Taten

Könnte es sein, dass am Mittwoch ein Jubelschrei durchs Westfalenstadion hallt, wenn Rudi Völler die Bühne betritt? Wahrscheinlich wird’s so sein, weil der Bundestrainer es ja allen mal gesagt hat, all diesen Defätisten, die man selbst dann kaum noch hören mag, wenn sie die Wahrheit sprechen. Ich kann sie nicht mehr hören, diese Nein-Sager, bellt der Kanzlerimitator in der Jogurtwerbung. Ist doch alles Käse, oder was, krakeelt Völler, sollen wir sagen, der Trainerimitator?

Wahrscheinlich ist das zu hart, und besser lässt man Fakten sprechen. Nun denn, zweieinhalb Spiele hat’s gegeben, nach denen Völler in den Fußballlehrer-Adelsstand erhoben wurde: Das war das 4:1 über Spanien, sein Entree im Amt, es ging gegen untrainierte Urlauber ohne Vorbereitung; dann gab es das WM-Finale von Yokohama, das ging verloren, dennoch; und dann war es die zweite Halbzeit kürzlich gegen Italien. 38 und ein halbes Spiel hingegen lieferten Material für die Defätisten.

Spricht einer davon? Keiner spricht davon, alle reden nach Völlers verbaler Annäherung an Dieter Bohlen und Stefan Effenberg vom hoffentlich aufrüttelnden Effekt des unverhohlenen Zensurversuches. (Eine Einschränkung: Mutmaßlich kommt in den nächsten Tagen noch DFB-Präsident Mayer-Vorfelder um die Ecke und erklärt die Ausländer für schuldig an der deutschen Fußballmisere. Mag sein, dass sich Völler nun eingezwängt fühlt zwischen ARD-Netzer und neuerdings ZDF-Beckenbauer – dann war sein Ausfall, gleich, ob eruptiv oder kalkuliert, ein guter Einfall, mit einem Hauch von Inspiration. Ohne seinen Ausfall hätte man nämlich heute diskutiert, was denn das für eine merkwürdige Taktik gewesen war, mit der Völler Island Angst einflößen wollte: defensiv, wie sonst nur Trapattoni spielen lässt, der Vater aller Trainer-Brüller. Damit hat Völler den Gegner ganz allein stark gemacht. Aber reden wir besser nicht drüber.

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